Egestorffsche Gruben

 

Die Egestorffschen Gruben am Bröhn

 

Der Aufschwung des Deisterberbaues im 19. Jahrhundert begann dort, wo auch der Bergbau selbst begonnen hatte; am Bröhn oberhalb von Wennigsen. Der Lindener Kalkhändler Johann Egestorff ( im Volksmund Kalkjohann genannt ) pachtete 1807 die Grube am Bröhn und baute sie aus.

Johann Egestorff erweiterte seinen Bergwerksbesitz und pachtete 1815 die Schürfrechte am Bröhn und Hülsebrink unmittelbar vom Grafen von Platen-Hallermund . Der Kalkjohann war es, der der Wealdenkohle aus dem Bröhner-Revier einen überörtlichen Absatzmarkt eröffnete.

 

"Das Haupt-Kohleflötz des Deisters wurde am Bröhn mit einer Mächtigkeit von 33 cm angetroffen. Das Liegende des Flötzes ist mitgenommen worden, um die notwendige Höhe zu erhalten, daß ein Arbeiter seitlich liegen kann, um die Kohle zu gewinnen.

Am Kniggenbrink hat es bereits eine Mächtigkeit von 45 cm, Egestorfer Stollen 63 cm, Klosterstollen bis 88 cm, Hohenbostel 100 cm ." (Wilhelm Heidorn Königlicher Obersteiger a.D. 1903 )

 

Durch die in Folge von Raubbau schwindenen Waldbestände und den steigenden Holzpreis ließ der Kalkjohann fortan seine Öfen in den Kalkbrennereien Linden und Ronnenberg mit Deisterkohle betreiben. Somit rettete der Steinkohlenbergbau die ausgedehnten Wälder des Deisters vor weitgehender Vernichtung, da bis dahin die Glashütten und Kalkbrennereien immense Mengen Holz verbrauchten. Durch die steigende Nachfrage nach Deisterkohle, konnte Egestorff den Kohlenhandel in Hannover und Linden bereits 1813 in seiner Hand konzentrieren. ( aus der Steinkohlenbergbau von Heinrich Ewert )

Johann Egestorff

 

Dieser Johann Egestorff, der weder lesen noch schreiben konnte, war vom Bötchergesellen zum Industriellen aufgestiegen. Er hatte etwa 24 Kalköfen, zwei Ziegeleien, eine Zuckerfabrik, Bauholzhandel, Bergbaubetriebe und betrieb die Leinenschiffahrt nach Bremen ( Wüllner 1979)

 

Georg Egestorff

Für seine Arbeiter gründete er Kranken-,Unterstützungs- und Sterbekassen.

Gegen Krankheit und Invalidität waren die Bergleute in der Egestorffschen Knappschaft versichert.

 

Er gründete bereits 1831 die Saline Egestorfhall in Badenstedt

 

Hauer im Streb

Die Bauwürdigkeit eines Kohleflözes begann bei

35 cm bis 48 cm

( Schulterhöhe eines liegenden Bergmannes ).

Die Kohle wird von dem auf engsten Raum bei spärlicher Beleuchtung liegenden Hauer mit der Keilhaue aus den Flöz gebrochen und dann in Schlepptröge gefüllt und diese wurden von Schleppern krichend in die Abbaustrecke gezogen.

Das Hauptkohleflöz ( Flöz 3 nach Falke ) ist mit seinen hangenden Sandstein von Osterwald über Süntel und Deister , Rehburger Berge, Schaumburger Mulde, Bückeberg bis zu den Bergbaurevieren von Minden und Meißen überall als gleiches Flöz erkennbar.

Heft 14-Arbeitskreis Bergbau der Volkshochschule Schaumburg

Georg Egestorff und der Bergbau am Bröhn , Hülsebrink und Feldberg

 

1834 übernahm Georg Egestorff die Werk am Bröhn

 

Begünstigt durch die Kohlennachfrage im nahen Linden und Hannover erlebte der Deisterbergbau einen Aufschwung. Johann Egestorff verstarb 1834, in der Folge hat sein Sohn das Bröhner Revier auf den Hülsebrink und 1836 auf den Feldberg ausgedeht und somit einen planmäßigen Kohlenabbau größeren Umfangs in die Wege geleitet.

Die zahlreichen aufstrebenden Gruben am Deister kamen 1835 auf eine Jahresförderung von 18 000 t Steinkohle.

 

Am Feldberg wurden ab 1836 nach und nach drei Schächte und zwei Stollen angelegt, aus denen Wealden-Kohle gefördert wurde. Der Mittlere Schacht wurde direkt neben den heutigen Wasserräder abgeteuft.

Die schwierigen geologischen Verhältnisse , die geringe Flözmächtigkeit, die teilweise schlechte Qualität der Kohle sowie starke Feuchtigkeit und schlagende Wetter haben den Abbau schwierig gestaltet.

 

Der Transport der Kohlen nach Linden war bei den mangelnden Wegverhältnissen äußerst schwierig, daher plante Georg Egstorf schon 1850 eine Eisenbahnlinie nach dem Deister.

 

Bereits im Jahre 1840 wollte der Graf von Platen-Hallermund die verpachteten Bergwerke an Egestorff verkaufen. Die Regierung war der Auffassung , dass das Bergwerkseigentum nur dem Grafen von Platen und seinen Erben verliehen wäre. Die Regierung verweigerte dann die Erlaubnis zur Veräußerung, bot aber gleichzeitig Verhandlungen über den Rückerwerb des Bergwerkes für die Landesherrschaft an. Das Hannoversche Ministerium ließ sich damas schon von dem Gesichtspunkt leiten, dass für den bevorstehenden Tiefbau alle Bergwerke am Deister in einer Hand vereinigt werden müßten.

 

Erst mit Vertrag vom 14.Mai 1852 ist es Georg Egestorff gelungen , die bisher erpachteten Schürf - und Abbaurechte der" von Platenschen Familie" käuflich zu erwerben .

 

Mit der verstärkt einsetzenden Industriealisierung brach in der zweiten Hälfte der 1850 Jahre im Calenbergischen ein regelrechtes " Kohlenfieber " aus.

 

Zu dieser Zeit arbeiteten 220 Bergleute auf den Egestorfschen Bergwerken am Bröhn, Feldberg und Hülsebrink. Von 1852 bis 1866 wurde der etwa zwei Kilometer lange Tiefe Georgstollen als Wasserlösungsstollen, zur Entwässerung der Abbaufelder angelegt. Der Stollen kommt bei den Finnnenhütten am Waldsportplatz zu Tage.

 

Die Abbau- Stollen wurden unterhalb der Flöze angesetzt und leicht ansteigend im Bergwerksfeld vorgetrieben(aufgefahren), um das Wasser abfließen zu lassen und die vollen Grubenwagen leichter zum Stollenmund schieben zu können..

Von den Stollen aus wurden Grundstrecken aufgefahren, von hier wurde das Lagerfeld durch Abbaustrecken in Pfeiler unterteilt und von diesen aus die Kohle in den Streb gewonnen. Die Hauer musten im Streb seitwärts liegen und mit einer Keilhaue die Kohlen lösen, indem möglichst nahe an der Unterseite des Flözes ( dem " Liegenden ") in einer weichen Schicht,ein schmaler Schlitz ( "Schram") herausgepickt wurde. Die Kohle brach dann herunter und wurde vom Hauer in den Schlepptrog geschaufelt, dieser flache Holzkasten auf zwei Holzkufen wurde von der Arbeitsstelle im Streb zur unteren Abbaustrecke gezogen und hier in einen"Hund" entleert. Die Hunde sind lorenähnliche kastenförmige Förderwagen, in denen die Bergleute die Kohle beförderten. Einen vollen Hund zu schieben oder ziehen war eine schwere Aufgab, der Bergmann ging dann "vor die Hunde".

Der Abbau am Bröhn wurde wegen der geringen Flözstärke zeitweilig unrentabel. Wesentlich aber war auch die Tatsache, dass man auf Kalk gestoßen war. Dieses veranlasste den Steiger Hesse zu den Worten, die er den Bauer Wissel ( Blessen), der bei der Kohlenabfuhr beschäftigt war, am "Trockenen Grund "zurief . " Was dein Geist nicht fassen kann, das bete du in Ehrfurcht an". Befragt nach den Sinn dieser Worte, antwortete der Steiger, dass man auf Kalk gestoßen sei und wo Kalk ist, steht keine Kohle.

 

Im Jahre 1864 waren in den Egestorffschen Gruben nur noch 160 Bergleute beschäftigt, die Jahresförderung aus den Egestorffschen Gruben betrug 19.000 t Steinkohle.

 

1866 -1868 wird aus den Bremsstollen gefördert, hier werden Pferde-Göpel zum Aufwinden der Kohle verwendet.

Am 22.9.1867 hat das Königlich Preußische Berg- und Forstamt Clausthal genehmigt, daß die Bergwerke am Feldberg und Hülsebrink mit dem nicht betriebenen Bergwerke am Bröhn unter dem Namen" Steinkohlenbergwerke am Bröhn,Feldberge und Hülsebrink bei Wennigsen" zusammengefasst werden.

 

Der Bergbau am Deister entwickelte sich zu einer der industriellen Schwerpunkte in der Preußischen Provinz Hannover. Die Deisterkohle hatte erhebliche strategische Bedeutung für die Ansiedlung von Industrie in Hannover und Linden . Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, dass u.a. in Linden die Egestorffsche Maschinenfabrik sich zu einem Großbetrieb entwickeln konnte. Bis zur Eröffnung der Deister-Eisenbahn im Jahre 1872 wurde die Deisterkohle per Pferdefuhrwerk nach Linden geliefert.

Ab 1850 unterhielten alle Deisterbergwerke am hannoverschen Bahnhof Steinkohlenlager, um auch bei größeren Bestellungen schnell liefern zu können. Insbesondere in der Erntezeit waren oftmals nicht genügend Fuhrwerke für den Transport aufzutreiben.

 

Ab 1890 nahmen die Wasserhaltungsprobleme in den Tiefbauen immer weiter zu. Der Betrieb wurde Anfang 1901 nach den Absaufen aller unteren Baue eingestellt. Es waren 1900 noch 44 Bergleute auf den Gruben tätig

Der Steiger Disselhorst berichtet am 4.September 1901 den Bergrevierbeamten Maurer Hannover-Süd, dass die Schächte am Bröhn verfüllt sind, die Plätze der abgerissenen Häuser sind eingeebnet.

 

Verfüllter Dorotheenschacht

am Bröhn

Der Schacht wurde 1878 abgeteuft

Grubenriss Hülsebrink

Brems- Stollen

Durch Urkunde vom 11. Januar 1696 hat der Herzog Ernst August zu Braunschweig-Lüneburg dem Grafen von Platen das vererbliche und veräußerliche Recht verliehen, die im Deister unter dem Bröhn und dem Hülsebrink des Kloster Wennigsen anstehenden Steinkohlen zu gewinnen und zu verwerten. Dieses Abbaurecht ist durch Erbvertrag vom 14/26. Mai 1852 auf den Fabrikanten Georg Egestorff zu Linden bei Hannover übergegangen und später von den Egestorff`schen Erben auf die Lindener Zündhütchen- und Thonwaaren- Fabrik übertragen worden.

Bergleute die 1899 / 1900 bei den Steinkohlenbergwerk am Bröhn, Feldberg und Hülsebrink beschäftigt waren:

Wennigsen :

August Wilke, Friedrich Fitjer, Heinrich Wissel, August Bullerdiek, Friedrich Lango,.F Jacke, August Neddermeyer, Christian Schröder, Heinrich Rogge, Ernst Röhrbein, Ernst Fricke, Heinrich Wedemeyer, Heinrich Struss, Heinrich Punkenburg, August Nagel, Conrad Kuhls, Ernst Fürll, Friedrich Peter, Ernst Bremer.

Argestorf:

Friedrich Hyerhorst, Heinrich Becker, Wilhelm Schlecht, August Lauenstein -mit 45 Jahren Berginvalide ; Friedrich Lauenstein- mit 46 Jahre Berginvalide,

Heinrich Lauenstein-Berginvalide, Ferdinand Haller, Wilhelm Clodius, Hugo Müller, Heinrich Haneccius

Degersen:

Friedrich Sudmacher

Bredenbeck:

Ernst Garbe, Friedrich Seiler

Das erste Steinkohlenbergwerk in Barsinghausen

1831 gründeten Johann und Georg Egestorff mit den Hofsteinhauermeister August Blume eine private Gesellschaft, die mit der Klosterkammer einen Pachtvertrag über die Anlage eines Bergwerkes im Fuchsbachtal oberhalb von Barsinghausen abgeschlossen hat. Dieses " Klösterliche Bergwerk zu Barsinghausen " war das erste Bergwerk in Barsinghausen. Die Förderung der Kohle stieg stetig an ,bereits 1835 waren hier 29 Bergleute beschäftigt.

( aus - Die Deister Kohlepfade)

Die Aufsicht hatte der Steiger Hesse aus Wennigsen, der auch für die Gruben am Bröhn, Feldberg und Hülsebrink verantwortlich war .

1835 hat Georg Egestorff die Eisen-Giessery und Maschinenfabrik in Linden gegründet.

1871 wurde die Fabrik in " HANOMAG" umbenannt.

Die erste von Egestorff 1846 ausgelieferte Lokomotive " Ernst August" wurde zur Eröffnung der Eisenbahnstrecke Hannover -Hildesheim eingesetzt.

Saline Egestorffhall mit Gradierwerk auf Salzwiesen

Im Hintergrund der Lindener Berg mit der Windmühle und den 1825 von Georg Ludwig Friedrich Laves für Johann Egestorff erbauten Berggasthaus

Schnellzuglok der Baureihe C3T

Egestorff lieferte für Deutschland bahnbrechende Lokomotiven, die schon in den fünfziger Jahren Höchstgeschwindigkeiten von

120 km/h führen

Hülsebrink- Brems Stollen

Weitere Bergbauaktivitäten von Georg Egestorff

In Coppengrave am Hils hat es auch erste Bergbauversuche bereits um 1571 gegeben, den Schmieden sollte der Holzverbrauch verboten werden, statt dessen sollten sie Steinkohle verwenden. Der Betrieb ist aber bereits 1589 mit dem Tode Herzogs Julius eingestellt worden.

Weitere Bergwerksversuche gab es erst ab 1744 am Knippsiek, der Bergrat August Lüning betrieb das Werk mit einen Steiger, vier Hauer und zwei Jungen.

1752 war das ganze Vermögen aufgezehrt. Schwer krank schrieb Lüning an den Herzog , das Bergwerk sei solide, es könnte dort zudem eine Glashütte gegründet werden, doch sei er finanziell am Ende und flehte den Herzog an, ihm 2/3 der Baukosten zu erstatten.

1769 will der Kaufmann Cramer aus Wispenstein das Lüningsche Bergwerk übernehmen. Der Bergrat Kaulitz ist nach wie vor überzeugt, dass "auf den Steinkohlen im Coppengraver Revier kein ergiebiges Bergwerk möglich sei ".

1852 bis 1853 wurde die Steinkohlenflöze zwische Coppengrave und Duingen mit 137 Bohrungen im Auftrag der Braunschweigischen Regierung untersucht.

1854 wurde der Versuchsbau nach Steinkohlen am Forstort Kirchsiek bei Koppengrave Georg Egestorff überlassen. Georg Egestorff mußte von Koppengrave bis zur Grube eine Chaussee anlegen, welche 2000 Thaler gekostet haben soll. Neben den Kohleschacht war ein Schuppen zur Unterbringung der der geförderten Kohle und ein anderes Häuschen mit Abteilung zur Schmiede, zur Gezähekammer und mit Kontor vorhanden.

1862 hat Egestorff die Kohleförderung völlig eingestellt, da weiter Versuche das Kohlefeld weiter zu erschließen zu ungünstigen Resultaten geführt hat. Die Ungunst der Zeit lastet schwer auf Handel und Industrie. Von 1855 bis 1859 hat Egestorff 1357 Tonnen Kohle zu einen Verkaufswert von 2142 Thaler gefördert. Das gesamte Unterfangen war auch für Egestorff mit hohen Verlusten verbunden.

(aus Bergbauchronik-Coppengrave)

Ausbiss, Ausgehndes

An der Gebirgsoberfläche des Bröhn endende Teil eines Flözes

 

 

Glück Auf

Deisterbergbau