Alte Taufe Stollen
Schichtende im Alte Taufe Stollen am 26.Februar 1951
Nachdem Preußen das Königreich Hannover annektiert hatte, wurde die Verwaltung von dem preußischen Staat übernommen. Im Jahr 1867 entstand die
Königliche Berginspektion am Deister,
die für die staatlichen Gruben zuständig war. Diese wurden als
"Königliche Steinkohlenbergwerke am Deister"
bezeichnet. Sie entstand aus der Königlichen Bergwerks-Administration am Deister, nachdem das Königreich Hannover preußisch wurde. Die Berginspektion unterstand dem Oberbergamt in Clausthal und war für die Überwachung und Organisation des Bergbaus der staatlichen Kohlebergwerke am Deister verantwortlich.
Zu diesem Zeitpunkt wurde am Deister aus fünf staatlichen Werken Steinkohle gefördert: oberhalb Barsinghausen ( im vormaligen Gemeindebergwerk), am Suersser Brink, an der Hohen- Warte, in Feggendorf sowie in Hohenbostel . Die Gesamtfördermenge aller staatlichen Deistergruben belief sich 1867 auf 72.327 Tonnen, beschäftigt waren seinerzeit 390 Arbeiter und Aufseher. Zum Kernstück des Kohlebergbaus am Deister wurde der Klosterstollen, der jahrzehntelang als Hauptförderstollen diente.
1873 zog die Berginspektion von der Rehrbrinkstraße in
Barsinghausen in das ehemalige Klosteramthaus dem
heutigen Rathaus I in der Bergamtstraße in Barsinghausen.
Bis Oktober 1972 war Foitzick Direktor der preußischen
Berginspektion, der bei den Arbeitern unbeliebte Direktor
wurde nach einen erfolglosen Streik an eine andere
Berginspektion versetzt.
Der nächste Leiter der preußischen Berginspektion war von
Detten, der bis 1892 im Amt war.
Am 1. November 1872 begann v. Dettens als Werksdirektor der Königlichen Steinkohlenwerke am Deister . Seinen Bemühungen gelang es den dortigen Bergbau auf eine früher nicht gekannte Ausdehnung und Ertragfähigkeit zu bringen und ein geradezu mustergültiges Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern der Königlichen Berginspektion herzustellen.
Die Anerkennung für sein Wirken fand 1880 in der Ernennung zum Bergrat
und 10 Jahre darauf zum Oberbergrat .
Gustav-Adolf Schlösser war von 1896 bis 1919 Leiter der Preußischen Berginspektion am Deister zu Barsinghausen, wobei er 1901 zum Königlichen Bergrat, 1912 zum Königlichen Oberbergrat und 1917 zum Königlichen Geheimen Bergrat ernannt wurde. 1906 und 1912 bekämpfte er erfolgreich zwei Bergarbeiterstreiks. Während des Ersten Weltkriegs wurde er 1916 Direktor der amtliche Kohlenverteilungsstelle zu Barsinghausen-Hannover, der er auch nach Kriegsende unter Aufgabe der Leitung der Berginspektion bis Ende 1923 innehatte, während er 1919 die Leitung der Berginspektion auf Verlangen der Barsinghäuser Bergarbeiter verlor. Zu Beginn des Jahres 1924 wurde er pensioniert. Während seiner Amtszeit war er von 1910 bis 1919 Vorstand der Bantorfer Kohlenzechen AG in Bantorf, von 1919 bis 1923 Leiter des Niedersächsischen Kohlesyndikats, von 1919 bis 1924 Aufsichtsratsmitglied des Reichskohlenverbands in Berlin, von 1894 bis 1924 Vorstandsmitglied und ab 1912 Vorsitzender des Hauptknappschaftsvereins zu Clausthal bzw. der Hannoverschen Knappschaft, von 1912 bis 1924 Aufsichtsratsmitglied der Norddeutschen Knappschaftspensionskasse in Halle (Saale), von 1913 bis 1923 des Knappschaftlichen Rückversicherungsverein in Berlin, von 1896 bis 1918 Mitglied des Gemeindeausschusses in Barsinghausenund von 1906 bis 1918 Mitglied des Kreistags des Landkreises Linden.
Der Deisterbergbau war im 20. Jahrhundert vor allem eine staatliche Angelegenheit. Die „Preussag“ übernahm 1923 die Kontrolle über die meisten Bergwerke in der Region. Barsinghausen war das Herzstück des Kohleabbaus im Deister. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg erreichte der Betrieb seinen Höhepunkt mit einer Jahresförderung von etwa 500.000 Tonnen Steinkohle. Damals arbeiteten mehr als 2.000 Bergleute im Deister.

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Die kohlebeladenen Förderwagen des Alte-Taufe Stollens werden den Hang hinuntergebremst
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Mit der Keilhaue wird die Kohle im Streb gelöst.
Historische Fotos - Aufnahmen stammen aus den Nachlass von Gerhard Dierssen der die Bergarbeiter im Alte Taufe Stollen am 26.Februar 1951 fotografiert hat.
Die Bilder werden im Bildarchiv der Region Hannover vorgehalten
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Alte Taufe Stollen
Die Kohle wurde mittels Grubenpferd zutage gefahren
Arbeitsordung der Königlichen Berginspektion am Deister von 1893




Königlich preußische Berginspektion am Deister
Beratung des Etats des Berg -, Hütten- und Salinen - Verwaltung
im Preußischen Abgeordnetenhause.
Beitrag des Abgeordneten Voss aus dem Wahlkreis Hannover
am 12.Februar 1904 -
......"Ich beschränke mich , deshalb darauf, einige lokale Wünsche aus meinem Wahlkreise dem Herrn Minister zu unterbreiten.
Früher hatte die Königliche Berginspektion am Deister nur Stollenbetrieb. .... Heute ist das Werk doch ein anderes. Es sind zwei neue Schächte geschlagen. Der erste Schacht ist, Gott sei Dank, bis auf das Flöz gebracht. Dieses Flöz so schnell zu erreichen, war nur möglich durch Anspannung aller Kräfte vom ersten Leiter des Werkes ab bis zum jüngsten Bergarbeiter. Leider hat auch mancher brave Bergmann und ein pflichttreuer Beamter sein Leben dabei eingebüßt. Ihr Beruf ist ebenso anstrengend und gefährlich ,es kann die großen Gefahren nur richtig beurteilen, der die Zuflüsse und die Schlagwetter in den Gruben am Deister kennt. Außerdem viel schwierig ist aber im Verhältnis zu den anderen Werken auch das Hauen der Kohle. Meine Herren, denken Sie sich ein Flöz von nur 50 bis 60 cm Höhe. Da muss der Bergman, zum Teil durchnässt, auf dem Rücken oder auf dem Bauche oder auf der Seite liegend, seine Kohlen hauen. Der Bergbeamte hat alle ihm unterstellten Kameradschaften verantwortlich zu kontrollieren, den Abbau zu leiten und für die Sicherheit der Arbeiter zu sorgen. Zu diesem Zwecke muss der Steiger 6 bis 7 Stunden auf dem Knieen und auf dem Bauche von einem Strebe zum anderen rutschen. Meine Herren, wer das mal durchgemacht hat, muss doch zugeben, dass es- sehr anstrengend ist. Ich glaube nicht, dass der Beruf auf anderen Gruben anstrengender und gefahrvoller ist als jetzt auf den Gruben am Deister. Wenn ich nun die Leistungen der letzten Jahre betrachte, so sind dieselben doch außerordentlich groß. Ich behaupte deshalb, dass kein fiskalischer Bergbeamter und Bergarbeiter im preußischen Staate mehr leistet wie die Bergbeamten und Bergarbeiter am Deister unter der schneidigen Leitung, ihres Chefs. Deshalb bitte ich den Herrn Minister, dass die älteren Beamten das Höchstgehalt ihrer Klasse erhalten, die übrigen Beamten aber in die erste Gehaltsklasse versetzt werden und der Wohnungsgelds Zuschuss erhöht wird, auch veranlassen zu wollen, dass eine Aufbesserung der Löhne der Bergleute am Deister stattfindet.".......
Beitrag des Abgeordneten Wallbrecht aus dem Wahlkreis Hannover am 12.Februar 1904 -
( Wallbrecht, Ferdinand von 1840-1905 Baurat Wahlkreis Hannover 4 Nationalliberal)
......Namentlich in Barsinghausen hat sich auf dem dortigen Bergwerk inzwischen ein grösser Betrieb entwickelt; es ist ein Maschinenbetrieb eingeführt worden. Außerdem ist die Lebenshaltung der Beamten dort recht teuer. Barsinghausen liegt bekanntlich nicht weit von Hannover, ist mit Hannover durch eine elektrische Bahn verbunden und jetzt gewissermaßen ein Badeort geworden. Infolgedessen sind die Preise gestiegen, und die Beamten leiden sehr unter diesen Verhältnissen. Ich möchte : daher dringend bitten, dahin zu wirken, dass diesen Herren geholfen wird. Das tut wirklich not; denn die Bezahlung ist nach den Verhältnissen, die dort bestehen, sehr schlecht; die Preise für die Wohnungen sind hoch, und die Sommerfrischler, die dahin kommen, tragen dazu bei, dass sich vieles verteuert......


Bergarbeiterstreik im Klosterstollen
Im Jahre 1872 kam es zu einen heftigen Streik der Bergarbeiter des Klosterstollens, der als totaler Mißerfolg endete.
Das Oberbergamt forderte die Berginspektion zur unnachgiebigen Härte gegen die Streikenden auf.
Die Bergbauverwaltung hat den Bergarbeitern weder ein Streikrecht noch ein Mitbestimmungsrecht zugestanden. Der Streik brach zusammen, nachdem das Oberbergamt den Streikenden die Entlassung angedroht hatte.
Der damalige Werksdirektor Foitzick hatte sich mit der Entlassung der Streikleitung bei den Kumpels sehr unbeliebt gemacht. Er wurde nach dem Streik von der preußischen Regierung an die Berginspektion Rüdersdorf bei Berlin versetzt.
Mit der Ernennung seines Nachfolgers, dem spätere Berghauptmann von Detten, wurde das Verhältnis ausgeglichener.
Wetterschacht
Nicht selten herrschte unter Tage mattes Wetter, es mangelte der Grubenluft an Sauerstoff, so dass ein Einfahren in den Stollen nicht möglich war. Zur Verbesserung der Frischluftzufuhr wurden am Emmerkenbrink ein Wetterschacht abgeteuft. Der Schacht wurde mit einen unterirdischen Wetterofen ausgerüstet, durch Verbrennung wurde Luft angesaugt und dadurch für eine stärkere Zirkulation der Grubenluft gesorgt


1892: Bergleute vor dem Mundloch des Klosterstollens, die Steiger sind an den Stöcken erkenntlich.
Der Bergmann Reinecke mit langen Kinnbart, als Barsinghäuser Original auch unter dem Namen " Burras" bekannt.



Das Besucherbergwerk Klosterstollen in Barsinghausen ist ein ehemaliges Steinkohlenbergwerk, das von der Preussag bis 1957 betrieben wurde. Seit Mai 1999 können Besucher einen Teil des unterirdischen Stollensystems besichtigen und mehr über die Geschichte und Technik des Bergbaus erfahren. Das Besucherbergwerk ist ein kulturelles und touristisches Highlight in der Region.

Quellen:
Barsinghausen Unter Klöppel, Schlegel und Eisen
Die Deister- Kohlepfade
Erinnerungen an den Steinkohle-Bergbau im Deistergebirge
Besucherbergwerk Klosterstollen
Die Chronik vom Klosterstollen von Friedrich Remmecke
Archiv Meyer
