Deisterbergbau 1866

Kohlenbergbau im Deister   von  A. Ebert  1866

1866 ist auch ein Schicksalsjahr für das Königreich Hannover.

Der seit 1851 regierende König  Georg V.hat mit seiner  extrem konserativen Gesinnung die falschen Weichen gestellt.

Den Krieg von 1866 verlor Hannover an der Seite Österreichs. Im Rahmen der preußischen Annexion gliederte Preußen das Königreich Hannover als Provinz Hannover seinem Staatsgebiet ein.  Die Einkünfte aus dem Besitz des Könighauses, jetzt " Welfenfonds" genannt werden einer Notverordnung entsprechend zur Abwehr gegen Preußen gerichtete Unternehmen des Königs Georg dienen. Hiervon bestreitet Preußen besonder Maßnahmen. Der  König von Bayern,  der durch Prachtbauten und  Theater in große Geldverlegenheit geraten ist, erhält 14 Jahre lang Bestechungsgelder  die insgesamt 5,2 Millonen Goldmark ausmachen , damit er die Proklamation  Wilhelm I zum Deutschen Kaiser handschriftlich beantragt. Der Kanzer wurde nicht müde, mit den Geldern des Welfenfonds Verbündete zu gewinnen, u.a.  zahlte Bismark dem Marschall Bazaine eine Pension, weil er im deutsch-französischen Krieg die Festung Metz hatte kapitulieren lassen.

Die Gelder wurden auch eingesetzt  zur " Bekämpfung der gemeingefährichen Bestrebungen der Sozialdemokratie". Im Jahre der Sozialistengesetze 1878 wurden aus den Reptilienfonds 1,2 Millonen Goldmark für die Verfolgung der Sozialdemokraten eingesetzt.

Steinkohlenförderung mit den Deisterhunt

Skizze von Steiger F.Korf

Königreich Hannover 1814 - 1866

Entladen des Deisterhunt mit der Kratze auf der Bergenhalde

Skizze von  Steiger F. Korf

Der Deister

Oberer Deisterstollen

 Geschichtliche Darstellung des Kohlenbergbaues im Fürstenthum Calenberg

von Amtsassessor  A. Ebert 1866

Der Deister ist das wichtigste der Calenbergischen Kohlengebirge ..... Die höchste Höhe erreicht der Deister etwa bei Wennigsen, wo sich eine Bergkuppe ( der Höbeler) 1379 Fuß über den Spiegel der Nordsee erhebt......... Das Grundgebirge des Deisters ist der Kalkstein. Das Hangende desselben besteht aus verschiedenen Thon- und Mergelarten, besonders aber aus aus dem der Wealdenformation angehörigen s.g. Deistersandstein, welcher mehre 100 Fuß mächtig, acht Kohleflöze umschließt, von denen drei bauwürdig sind. Diese streichen mit dem Rücken des Deisters und fallen unter 6-9 Grad nach Nordnordosten ein..... Nach Nordwest sind nur zwei Flöze bauwürdig: das hangende Flöz,welches früher vorzüglich am Süerserbrinke bebaut wurde, und das liegende oder s.g. Bröhner Flöz, auf welchem jetzt sämtliche Bergwerke an dieser Seite bauen und welches bei Hohenbostel und Feggendorf einschließlich der Bergmitte eine Mächtigkeit von 40 - 50 Zoll erreicht. Nach Südost wird außer diesen beiden Flözen noch ein drittes bauwürdig. Häufige Verwerfungen und Unregelmäßigkeiten in der Lagerung machen den Abbau hier schwierig. Alle Flöze veredlen sich nach dem Einfallenden zu, bilden in der Ebene vor dem Deister eine große Mulde und treten an einzelnen Stellen, wie am Holtenser- und Stemmer- Berg, vom Kalkstein begrenzt wieder zu Tage....... Das Thal zwischen Süntel und Deister, so wie der nordwestliche Theil des ersteren gehören zur Formation des oberen Jura und enthalten deshalb keine Kohlen. Diese finden sich erst wieder in dem Wealdensandstein des großen und kleinen Süntel, welcher etwa 14 Flöze von sehr verschiedener Mächtigkeit und Güte umschließt.

Hinsichtlich der Güte stehen die Kohlen den in der benachbarten Grafschaft Schaumburg und im Fürstenthume Bückeburg gewonnenen nach, da sie nicht so pechig und weniger rein sind.  .......

1821 betrug die Mächtigkeit des Flözes am Bröhn 10 - 12 Zoll . Die Grube  liegt auf den Gebirgssattel, die Teufe des Flözes unter Tage  beträgt 12 - 16 Lachter . Die Kohle führt Schwefelkies in Mengen. Die Grube wird  durch einen Stollen entwässert.

Besonderes Bergrecht im Fürstentum Calenberg

Im   Fürstentum Calenberg gehörte die Steinkohle nicht zu den Hoheitsrechten  des Landesherren . Den Grundeigentümern stand allein das Verfügungs- und Abbaurecht über den  in seinem Grund und Boden  lagernden " Schwarze Gold "zu. Dieser Rechtszustand wurde auch nach 1866 beibehalten. So  musten die Grubenbetreiber den Kohlenuntergrund besitzen oder  von den Grundeigentümer pachten.

Ein regelrechtes " Kohlenfieber "  brach ab 1850 im Calenberger Land aus !


 Die Steinkohlengewinnung am Deister 1861

  Staats- Bergwerke                :

Süerserbrink    ……….   109.640 Zentner mit       - -  37 Arbeiter - Geldwert der Produktion 10.558 Thlr.

Hohewarte   .………..    292.160 Zentner mit   -       -90 Arbeiter - Geldwert der Produktion 27.380 Thlr.

Barsinghausen..  …   .  330.230 Zentner mit           100 Arbeiter - Geldwert der Produktion 36.058 Thlr.

Hohenbostel..   …….  . 247.870 Zentner mit- -         92 Arbeiter - Geldwert der Produktion 26.876 Thlr.

Feggendorf………….....     4.130 Zentner mit  -  -        4 Arbeiter -  Geldwert der Produktion  --411 Thlr.

Daberg....………………...    3.950 Zentner mit -        -   3 Arbeiter -  Geldwert der Produktion  --288 Thlr.


Privatbergwerke :

Bredenbeck, Freiherr Knigge  ………………………….      281.786  Zentner mit 100 Arbeiter - Geldwert der Produktion  31.840 Thlr.

Wennigsen, Gem Bergwerk, Gebr. Sammann   ..       17.500  Zentner mit-  12 Arbeiter -  Geldwert der Produktion  1.790 Thlr.

Feldberg,Hülsebrink,Bröhn, G.Egestorff..    ………… 384.250  Zentner mit  160 Arbeiter - Geldwert der Produktion 29.000 Thlr.

Kniggenbrink, Freiherr Knigge..    ...…………………  ..475.000  Zentner mit  155 Arbeiter - Geldwert der Produktion 53.833 Thlr.

Barsinghausen, Kloster-Cammer..    …………………   ..840.000  Zentner mit  255 Arbeiter - Geldwert der Produktion 84.000 Thlr.

Bantorf, Deister-Bergwerks-Gesellschaft..      ….   .357.490  Zentner mit  200 Arbeiter - Geldwert der Produktion 40.566 Thlr.


Quelle " Die Steinkohlen Deutschlands und anderer Länder Europas ; München 1865"

Manfred Meyer

Max-Planck-Str. 51

30974 Wennigsen

manfred@Meyer-mail.org

Spurensuche

- Anzeichen von Bergbau oberhalb von Wennigsen

Quelle:

Erinnerungen an den Steinkohle-Bergbau im Deistergebirge

von Horst Krenzel