Kalisalzbergbau in Ronnenberg
Kalibergbau in Ronnenberg
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Gebiet der heutigen Stadt Ronnenberg ein bedeutendes Zentrum des Kalibergbaus.
Mehrere Schachtanlagen nutzten den Benther Salzstock, dessen mächtige Lagerstätten seit den 1890er‑Jahren erschlossen wurden.
Die Bergwerke prägten Wirtschaft, Landschaft und Bevölkerungsentwicklung der Region nachhaltig
Bergwerksbetriebe im Raum Ronnenberg
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts existierten vier eigenständige Kaliwerke:
Kaliwerk Ronnenberg der Alkaliwerke Ronnenberg AG
Schacht: Albert (Ronnenberg)
Kaliwerk Deutschland der Gewerkschaft Deutschland
Schacht: Deutschland (Weetzen)
Kaliwerk Hansa–Silberberg der Gewerkschaft Hansa–Silberberg
Schächte: Hansa I und
Hansa II (Empelde)
Kaliwerke Benthe AG
Schacht: Hermann (Benthe), mit angeschlossener Saline
Diese Werke nutzten unterschiedliche Teile des Benther Salzstocks, waren aber technisch und betrieblich eng miteinander verbunden.
Fördergerüst
Schacht Hansa
in Empelde 1976
Fördergerüst Schacht Albert in Ronnenberg 1976
Chronik des Kalibergbaus in Ronnenberg
Geologische Grundlage
Der Ronnenberger Bergbau nutzte den Benther Salzstock, der sich von Benthe über Empelde bis nach Badenstedt/Davenstedt erstreckt.
Die Lagerstätte besteht aus mächtigen Schichten von Steinsalz, Kieserit und Carnallit, die seit dem 19. Jahrhundert bergbaulich erschlossen wurden.
1. Frühphase des Salz- und Kalibergbaus (19. Jahrhundert)
Erste geologische Untersuchungen im Raum Ronnenberg weisen auf bedeutende Salzvorkommen hin.
Die Region wird für industrielle Nutzung interessant, da die Kaliindustrie in Deutschland stark expandiert.
2. Aufbau des Kaliwerks Ronnenberg (um 1900–1910)
Um die Jahrhundertwende beginnt die systematische Erschließung der Lagerstätte.
Abteufen der Schächte und Errichtung der Tagesanlagen:
Tagesanlagen:
Förderturm
Werkstätten
Saline- und Fabrikgebäude
Gleisanschlüsse für den Abtransport
3. Betriebsphase und wirtschaftliche Bedeutung (1910–1970)
Das Kaliwerk Ronnenberg entwickelt sich zu einem wichtigen Arbeitgeber der Region.
Gefördert werden:
Kalirohsalz zur Herstellung von Düngemitteln
Steinsalz für chemische und industrielle Zwecke
Die Produktion erfolgt im Tiefbau mit mehreren Sohlen und ausgedehnten Streckenfeldern.
Das Werk ist eng mit dem Kaliwerk Empelde (Hansa) verbunden – beide nutzen denselben Salzstock, jedoch unterschiedliche Schachtanlagen.
4. Technische Entwicklung
Ausbau der Fördertechnik, Einführung elektrischer Grubenlokomotiven und moderner Brech- und Sortieranlagen.
Untertage werden Teufen von mehreren hundert Metern erreicht.
Die Werke in Ronnenberg und Empelde gelten zeitweise als technisch führend im norddeutschen Kalibergbau.
5. Niedergang und Stilllegung (1970–1975)
Sinkende Weltmarktpreise, steigende Betriebskosten und strukturelle Probleme belasten den Betrieb.
1973: Stilllegung des Kaliwerks Empelde.
1975: Ein schwerer Laugeeinbruch im Grubenfeld Ronnenberg führte zur endgültigenStillegung.
7 Millionen m³ Wasserströmten in die Grube
Grundwasserstände sanken rapide
Gebäude und Straßen wurden beschädigt
Einzelne Häuser sackten bis zu 70 cm ab
Über 800 Schadensmeldungen
Trotz der Schäden kamen keine Menschen zu Schaden
Das Werk Ronnenberg wurde am 31. Dezember 1975als letztes Kaliwerk auf dem Benther Salzstock stillgelegt.
Das Werk Empelde war bereits 1973 aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen worden.
Die Betreiberin des Bergwerks, die Kali Chemie AG, bezifferte die Schadenssumme einschließlich aller Entschädigungszahlungen auf 50 Millionen DM.
6. Verfüllung und Sicherung (1978–1984)
Die Schächte werden mit Schotter und Kies verfüllt.
Grubenräume werden mit Sole aus Kavernenspülungen verfüllt und drucktechnisch gesichert.
Abschluss der bergrechtlichen Maßnahmen in den frühen 1980er Jahren.
7. Nachnutzung und heutige Situation
Teile der ehemaligen Betriebsflächen werden industriell oder kommunal genutzt.
Der Benther Salzstock dient heute u. a. als Untergrundspeicher(Erdgas/Kavernen).
Die Bergbaugeschichte ist im Stadtbild Ronnenbergs noch sichtbar – u. a. durch ehemalige Verwaltungsgebäude, Haldenreste und Dokumentationen lokaler Vereine.
Historische Einordnung
Der Kalibergbau prägte Ronnenberg über Jahrzehnte – wirtschaftlich, sozial und landschaftlich. Zusammen mit dem Werk Empelde bildete er ein bedeutendes industrielles Zentrum im Calenberger Land. Die Stilllegung in den 1970er Jahren markierte das Ende einer Epoche, deren Spuren bis heute sichtbar sind.


Schacht Albert in Ronnenberg –
Abteufen unter extremen Bedingungen
Das Niederbringen des Schachtes Albert war mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Mehrere Wassereinbrüche ließen den Schacht wiederholt „ersaufen“. Nur durch den Einsatz großer Pumpen konnte der Wasserzufluss von bis zu
20 m³/min beherrscht werden. Das Abpumpen dieser Wassermengen führte zum Versiegen zahlreicher Brunnen in Ronnenberg.
Nach einer Teufzeit von fast acht Jahren nahm das Werk am 6. Dezember 1905 die Förderung auf.
Tagesanlagen des Schachtes Albert
Zu den Tagesanlagen gehörten:
Schachthalle mit Förderturm, Fördermaschinenhaus, Salzmühle, Kesselhaus, elektrische Zentrale, Lagergebäude, Werkstätten, Ventilatorgebäude, Wasserturm, Verladehalle, Beamten- und Arbeiterwohnhäuser, Verwaltungsgebäude sowie das Zechenhaus mit Wasch- und Badeeinrichtungen.
Bevölkerungsentwicklung und Gemeindelasten
Der Zuzug der Bergleute führte zu einem deutlichen Bevölkerungsanstieg:
1885:1.050 Einwohner
1905:1.503 Einwohner
Die neu zugezogenen Bergleute benötigten
Wohnraum, der in den von der Landwirtschaft geprägten Gemeinden nicht zur Verfügung stand. Er musste von den Bergwerksgesellschaften geschaffen werden.
1906 waren in Ronnenberg die ersten Häuser für Belegschaftsmitglieder an der nördlichen Seite der Gehrdener Straße erbaut.
Die Gemeinde Ronnenberg geriet dadurch finanziell unter Druck.
Das Kaliwerk wurde verpflichtet, die durch den Zuzug entstandenen Armen- und Schullastenzu übernehmen.
Fördergerüst Schacht Albert
Bild 1976
Entstehung der Kaliwerke Benthe
Aus der am 25. Oktober 1895 gegründeten Kalibohrgesellschaft Benthe entstand im Februar 1897 zunächst die bergrechtliche Gewerkschaft Wallmont, aus der schließlich 1901 die Kaliwerke Benthe AG hervorgingen.
Zur Vorbereitung des Schachtbaus wurden zwischen 1894 und 1898insgesamt fünf Tiefbohrungenwestlich und östlich der Ortslage Benthe niedergebracht. Während die erste Bohrung vom Oktober 1894 keine abbauwürdigen Kalilager antraf, bestätigten die vier weiteren Bohrungen gute Lagerstätten.
Abteufen des Schachtes Hermann
Am 12. April 1899 begann man auf dem Bohrloch V, östlich der heutigen Gärtnerei Behre, mit dem Abteufen des Schachtes Hermann.
Bereits am 17. Oktober 1899 erreichte man bei 163 m Teufe das Steinsalz unterhalb des Gipshutes, in dem der Wasserabschluss errichtet werden sollte.
Noch am selben Tag traten im Gipshut starke Laugezuflüsse auf, die bis auf 42 m Schachtteufe hochstiegen.
Trotz dieser Schwierigkeiten wurde der ersoffene Schacht nach dem Kind‑Chaudron‑System weiter abgeteuft. Die Schachtsohle wurde bei 204 m als Wasserabschluss betoniert.
Weitere Wassereinbrüche und Aufgabe des Schachtes
Nach der Erhärtungszeit begann am 28. Mai 1901 das Sümpfen des Schachtes. Einstriche und Fahrbühnen wurden eingebaut, und die Abteufarbeiten gingen weiter.
Am 14. und 15. Oktober 1901 kam es bei 238 m Teufe zu einem erneuten schweren Laugeneinbruch, der den Schacht abermals ersaufen ließ. Die Zuflüsse konnten nur mit großem technischem und finanziellem Aufwand beherrscht werden.
Trotz aller Maßnahmen scheiterte der dauerhafte Wasserabschluss. Die eingedrungene Salzsole stieg bis auf 41 m unter Geländeoberkante. Eine bergmännische Gewinnung war nicht mehr möglich – der Schacht musste aufgegeben werden.
Das investierte Kapital von 2,5 Mio. Mark war verloren.
Bau und Betrieb der Saline Benthe
Die Überlegungen zur weiteren Nutzung der Lagerstätte führten zum Bau der Saline Benthe, die im Mai 1902 ihren Betrieb aufnahm. Aus dem ursprünglich geplanten Kalibergwerk war eine Saline geworden.
Die für die Siedesalzproduktion benötigte Sole wurde aus dem Schacht Hermann gepumpt. Bereits 1904 stellte die Saline mit 100 Beschäftigtenrund 15.500 t Siedesalz her.
Zum Abtransport des Salzes wurde 1902 eine Grubenanschlussbahn vom Bahnhof Ronnenberg nach Benthe gebaut – mit einem Abzweig zum Kaliwerk Hansa in Empelde.
Absatzprobleme und Stilllegung
Trotz mehrfach gesenkter Preise kämpfte die Saline mit erheblichen Absatzschwierigkeiten. Nach 12 Jahren wechselvoller Geschichte wurde der Betrieb im Mai 1911 eingestellt.
1913 unternahmen die Kaliwerke Benthe AG einen weiteren Versuch, mit einem neuen Schacht an die Lagerstätte zu gelangen – jedoch ohne Erfolg.
Nutzung des Schachtes Hermann nach 1911
Im Jahr 1920 übernahmen die Alkaliwerke Ronnenberg AG (ab 1923: Kali‑Chemie AG) ein Viertel der Aktien der Kaliwerke Benthe AG samt deren umfangreichen Abbaugerechtsamen.
Die Saline wurde endgültig stillgelegt und die Gebäude abgebrochen. Der markante Schornstein wurde ebenfalls beseitigt.
1924 verlegte man eine Soleleitung vom Kaliwerk Ronnenberg zum Schacht Hermann, um die Restlaugen der Chlorkaliumfabrik Ronnenberg zur Entlastung der Vorflut in den Schacht einzuleiten.
Streit um die Lagerstätte
Vor dem Zweiten Weltkrieg entbrannte ein heftiger Streit um den Besitz der wertvollen Kalilagerstätte:
Salzdetfurth AG (Eigentümer des Kaliwerks Hansa)
Kali‑Chemie AG (Werk Ronnenberg)
Der Konflikt endete mit einem Kompromiss: Der nördliche Teil der Lagerstätte zwischen Benthe und Badenstedt wurde dem Kaliwerk Hansa zugeschlagen.
Bedeutung der Lagerstätte
Die Lagerstätte Benthe bildete in den 1950er‑Jahren einen wichtigen Teil der regionalen Kalirohstoffbasis.
Trotz der Aufgabe des Schachtes Hermann blieb die geologische Struktur für die umliegenden Werke
von Bedeutung.
Quelle : Stadt Ronnenberg / Heimatmuseum Ronnenberg / Konrad Boden


Gebäude der Saline am Schacht Hermann in Benthe
Schacht Deutschland in Weetzen links im Bild die Steinsalzverladung Bild 1976
Erhaltene Bauwerke
Zwischen Weetzen und Gehrden stehen heute noch:
Verwaltungsgebäude
Werksgebäude
Werksvilla mit Gartenhaus
Sie bilden die letzten baulichen Zeugnisse des Kalibergbaus der Region.
Steinsalzförderung in Weetzen (Schacht Deutschland)
Im Baufeld des Schachtes Deutschland standen hochwertige Steinsalzvorräte an. Eine kurze Episode war die erneute Steinsalzförderung 1971–1974:
590.000 t Steinsalzwurden gefördert
Verwendung: chemische Industrie, Kupferverhüttung
Zwischen 1906 und 1922: Kali- und Steinsalzförderung
Danach: Nutzung als Not- und Wetterschacht für Ronnenberg
Die Tagesanlagen bestanden aus : Schachthalle mit Förderturm, Fördermaschinenhaus, Salzmühle, Kesselhaus, elektr. Zentrale, Lagergebäude, Werkstätten, Ventilatorgebäude, Wasserturm, Verladehalle, Beamtenwohnhäuser und Arbeiterwohnhäuser, Verwaltungsgebäude, Zechenhaus mit Wasch- und Badeeinrichtungen.
Fotos aus 1976
Abdeckung und Begrünung der Resthalde 2021
Die Halde soll abgedeckt und anschließend begrünt werden. Damit soll das nachhaltige Ziel erreicht werden, dass langfristig so gut wie keine salzhaltigen Wässer mehr neu gebildet werden. Die Durchführung der Maßnahme wird z.Z. in der Öffentlichkeit mit " pro und contra " diskutiert
Das Niedersächisches Museum für Kali- und Salzbergbau e.V., Ronnenberg-Empelde. ist
Sonntags (10:00-14:00 Uhr) geöffnet. Ein Besuch ist sehr zu empfehlen!
