Bergmann

   Der Bergmann und die

                                                    Bergmannsfamilie

Es war etwas besonderes ein Bergmann zu sein


Die Eigenart des Bergmannes begründete sich in der vorindustriellen Zeit  aus der Eigenart der Berufsarbeit und den Rechtsformen, mit denen die fürstlichen Landesherren die Gewinnung der Bodenschätze regelten. Es mangelt nicht an Berichten aus älterer Zeit über Knappenaufstände gegen ungerechte Löhne, über lange Arbeitszeiten, unwürdige Behandlung durch Vorgesetzte und Bergbeamte.

Wie die Löhne, so unterlagen auch die Preise des Förderguts und mithin die unternehmerischen Gewinne- einer behördlichen Normierung, und die innerbetriebliche Herrschaft der Gewerken wurde durch die Entscheidungsbefugniss der Bergbeamten in allen Planungsangelegenheiten, in den wichtigsten Betriebsabläufen und selbst bei der Ernennung des Aufsichtspersonals stark eingeschränkt.

In Wennigsen waren die 160 Bergleute im Jahre 1879 mit Abstand  die stärkste Berufsgruppe. Die Bergarbeit war eine der schwersten und gefährlichsten Arbeiten.  Der Bergbau war somit zum wichtigsten Erwerbszweig für Wennigsen geworden. Zusätzliche Einkommen für viele Bauern ergaben sich aus den Kohlefuhren vom Deister nach Linden.

Kinderarbeit gab es schon in der Antike, mit der  Industrialisierung im 19.Jahrhundert  veränderte sich ihre Bedeutung.

In der Gewerbeordnung des Norddeutschen Bundes wurde die Altergrenze für die Kinderarbeit auf 12 Jahre angehoben. Die erlaubte Höchstarbeitszeit wurde auf zehn Stunden beschränkt.

Kinder wurden im Bergbau für verschiedene Aufgaben eingesetzt, als Grubenpferdeführer, Kohlenschlepper, Lorenzieher und Öffner für Wettertüren.

Im Bergbau konnten manche Arbeiten nur von Kindern ausgeführt werden, da die Flöze und Gänge oftmals  niedrig waren, die Nische hinter der Wettertür winzig.

In den Gruben am Hülsebrink haben vermutlich  die Kinder die Schlepptröge mit den Steinkohlen aus den Abbaustrecken in die Förderstrecken gezogen. Noch 1977 haben wir im oberen Deisterstollen die Abdrücke der kleinen Hände an den Einmündungen zur Förderstrecke zu sehen.

Die Industrialisierung des 19.Jahrhunderts hat jedoch die Rahmenbedingungen  grundlegend verändert. Mit der Annexion des Königreich Hannover ( 1814-1866) durch das Königreich  Preußen, wurden das " Allgemeine Berggesetz für die preußischen Staaten" in der  neuen Provinz Hannover (1866-1918) gültig. Die Bergbauunternehmen wurden in die volle Verfügungsgewalt über die von ihnen investierten Kapitalien versetzt.  Hatten sie bisher in ihrem sozialen Handeln, aber auch hinsichtlich der Regelung des Grubenbetriebes unter der Oberaufsicht des Staates gestanden und sich den Anweisungen der Bergbaubehörde beugen müssen, so zog sich  Staat und Bergbaubehörde nunmehr aus diesen weitgehenden Direktiven  des Bergbaues zurück. Die Leittragenden dieser Neuorientierung im Bergbau waren die Bergleute selbst. Wenn sie bisher ein beachtliches Maß an sozialen Schutz  seitens des Staates  genossen hatten, regierte nunmehr der Markt die Belegschaftsverhältnisse und Existensbedingungen.

Im Jahre 1889 wurde der deutsche Bergarbeiterverband gegründet.  Die Bergbauunternehmen sahen sich in keiner Weise veranlaßt, mit den  neu gegründeten Verband in Verhandlungen über Löhne und  Arbeitsbedingungen zu treten. Die Gewerkschaften wurden nicht als legitime Vertreter der Arbeiterinteressen anerkannt.

In Bantorf kam es in der dortigen Grube bereits 1894 zu einen großen Streik und 1897 zur Gründung eines Knappenvereines.

Typischerweise sind im staatlichen Deisterbergbau keine Knappenvereine gegründet worden. Sie entstanden erst viel später,  so 1958 in Barsinghausen.

Auf der anderen Seite wurden die staatlichen Bergwerke am Deister erheblich ausgeweitet und ausgebaut.

Im Rahmen der " Industriellen Revolution" wuchs die bergbauliche Produktion unerhört rasch an. Immer mehr Arbeiter wurden im Bergbau benötigt, denn der Zuwachs an Förderung ist in dieser Zeit allein durch Handarbeit erzielt worden. Die Kohlenförderung stieg im deutschen Reich von 12,3 Millionen Tonnen in 1860 auf 26,4 Millionen Tonnen in 1870 an.

Die Industrie begann sich sprunghaft zu entwickel, mit dieser auch die Bevölkerung. In Hannover hat eine schnelle Zunahme der Bevölkerung stattgefunden.  Von 87.641 Einwohner im Jahre 1871 ist die Bevölkerung auf 235.649 Einwohner im Jahre 1900 angestiegen. In der  schnell wachsenden Stadt  baute man auch billige Wohnviertel für die Arbeiterschaft oft mehrstöckige Mietskasernen mit mehreren Hinterhöfen.

Allerdings gab es auch positive Beispiele, einige Bergbauunternehmer sorgten- auch in ihrem eigenen Interesse- dafür, dass es ihren Bergleuten relativ gut ging. Zum Beispiel wurde von einigen, Bauland und günstige Kredite für Häuser mit kleinen Gärten zum Gemüseanbau und zur Kleintierhaltung angeboten.   Um neue Bergleute in der Nähe der Gruben anzusiedeln, ließ Egestorff in der Barsinghäuser Straße,  neben den Steiger-Haus, kleine Bergarbeiterhäuser mit Garten errichten. Barsinghausen        Diese Siedlungshäuser waren für diese Zeit sehr typisch.

 Die Kasse des Hannoverschen Knappschaftsvereins zu Barsinghausen hat im Jahre 1879  meinen Vorfahren

( Ernst Meyer- Bergmann und Anbauer zu Wennigsen ) für den Kauf einer Anbauerstelle eine Hypothek von 900 Mark

zu einen Zinssatz von 4  % gewährt.

Auch wurde in einigen Gebieten verbilligtes Getreide zur Verfügung gestellt, und nicht wenige freuten sich auch auf den stark verbilligten Schachtschnaps. Das Gehalt der Bergleute lag höher als in der Landwirtschaft. Die Bergleute haben auch von der Klosterkammer Ackerland gepachtet, hier wurden überwiegend Getreide und Kartoffeln angepflanzt. Obst- und Gemüsegärten waren meist direkt an den Häusen der Bermannsfamilien angegliedert. In den kleinen, an den Häusen angebauten Ställen wurden Schweine, Ziegen, Kaninchen und Hühner gehalten. Dieses war zur Eigenversorgen der Erwachsenen und der  oft großen Kinderschar unbedingt erforderlich. Gerade in wirtschaftlichen Kriesenzeiten ,  als das Jahreseinkommen der Bergarbeiter am Deister  im Jahre 1874 von 836 Mark auf  437 Mark im Jahre 1879  gesunken war, hat die Eigenversorgung, die Bergarbeiterfamilien vor Not und bitterer Armut bewahrt .

.

Mein Urgroßvater arbeitete als Bergmann in den Deisterbergwerken, mein Vater (* 1925 ) hat als Junge seinen Großvater oft mit nasser  Bekleidung nach Hause kommen gesehen .Bei Wind und Wetter mußte mein Urgroßvater zu Fuß  den Weg zur Arbeit zurücklegen und nach Schichtende wieder zurück gehen. In den Stollen war der Streb nass und kalt. Bedingt durch  die ständige Feuchtigkeit  litt der Bergmann schon früh an Reumaerkrankungen. Es gab in den kleinen Gruben keine Waschkauen , daher sind die Bergleute in ihrer Arbeitsbekleidung nach Hause gekommen. Die Staublunge eine  weitere typische Berufskrankheit der Bergleute trat insbesondere bei Hauern, die vorwiegend im Streckenvortrieb tätig waren auf. Diese Krankheit wurde  bereits bei Agricola ( 1494 -1555) in seinem Werk " De Re Metallica " beschreiben. Die Bergleute litten durch die harte körperliche Arbeit auch an Tuberkulose, Haut- und Augenkrankheiten sowie rheumatischen Erkrankungen.



Manfred Meyer

Max-Planck-Str. 51

30974 Wennigsen


Glück Auf 

Steinkohlenschacht um 1900