Bergmann

Der Bergmann und die

                                Bergmannsfamilie

Die Beschäftigung mit der Geschichte der ehemaligen Deisterbergleute, gibt einen das Gefühl, sie nicht völlig dem Vergessen zu überlassen.   Sie als die Menschen, die sie waren, noch einmal wichtig zu nehmen .

Es war etwas besonderes ein Bergmann zu sein


Die Eigenart des Bergmannes begründete sich in der vorindustriellen Zeit  aus der Eigenart der Berufsarbeit und den Rechtsformen, mit denen die fürstlichen Landesherren die Gewinnung der Bodenschätze regelten. Es mangelt nicht an Berichten aus älterer Zeit über Knappenaufstände gegen ungerechte Löhne, über lange Arbeitszeiten, unwürdige Behandlung durch Vorgesetzte und Bergbeamte.

Wie die Löhne, so unterlagen auch die Preise des Förderguts und mithin die unternehmerischen Gewinne- einer behördlichen Normierung, und die innerbetriebliche Herrschaft der Gewerken wurde durch die Entscheidungsbefugniss der Bergbeamten in allen Planungsangelegenheiten, in den wichtigsten Betriebsabläufen und selbst bei der Ernennung des Aufsichtspersonals stark eingeschränkt.

In Wennigsen waren die 160 Bergleute im Jahre 1879 mit Abstand  die stärkste Berufsgruppe. Die Bergarbeit war eine der schwersten und gefährlichsten Arbeiten. Die Arbeit war sehr kräftezehrend.  Der Bergbau war somit zum wichtigsten Erwerbszweig für Wennigsen geworden. Die überwiegende  Anzahl der Bergleute war bodenständig , ihre Arbeit war insgesamt körperlich sehr anstrengend. Zusätzliche Einkommen für viele Bauern ergaben sich aus den Kohlefuhren vom Deister nach Linden.


 

Die Industrialisierung des 19.Jahrhunderts hat jedoch die Rahmenbedingungen  grundlegend verändert. Mit der Annexion des Königreich Hannover ( 1814-1866) durch das Königreich  Preußen, wurden das " Allgemeine Berggesetz für die preußischen Staaten" in der  neuen Provinz Hannover (1866-1918) gültig. Die Bergbauunternehmen wurden in die volle Verfügungsgewalt über die von ihnen investierten Kapitalien versetzt.  Hatten sie bisher in ihrem sozialen Handeln, aber auch hinsichtlich der Regelung des Grubenbetriebes unter der Oberaufsicht des Staates gestanden und sich den Anweisungen der Bergbaubehörde beugen müssen, so zog sich  Staat und Bergbaubehörde nunmehr aus diesen weitgehenden Direktiven  des Bergbaues zurück. Die Leittragenden dieser Neuorientierung im Bergbau waren die Bergleute selbst. Wenn sie bisher ein beachtliches Maß an sozialen Schutz  seitens des Staates  genossen hatten, regierte nunmehr der Markt die Belegschaftsverhältnisse und Existensbedingungen.

Im Jahre 1889 wurde der deutsche Bergarbeiterverband gegründet.  Die Bergbauunternehmen sahen sich in keiner Weise veranlaßt, mit den  neu gegründeten Verband in Verhandlungen über Löhne und  Arbeitsbedingungen zu treten. Die Gewerkschaften wurden nicht als legitime Vertreter der Arbeiterinteressen anerkannt.

In Bantorf kam es in der dortigen Grube bereits 1894 zu einen großen Streik und 1897 zur Gründung eines Knappenvereines.

Typischerweise sind im staatlichen Deisterbergbau keine Knappenvereine gegründet worden. Sie entstanden erst viel später,  so 1958 in Barsinghausen.

Auf der anderen Seite wurden die staatlichen Bergwerke am Deister erheblich ausgeweitet und ausgebaut.

Im Rahmen der " Industriellen Revolution" wuchs die bergbauliche Produktion unerhört rasch an. Immer mehr Arbeiter wurden im Bergbau benötigt, denn der Zuwachs an Förderung ist in dieser Zeit allein durch Handarbeit erzielt worden. Die Kohlenförderung stieg im deutschen Reich von 12,3 Millionen Tonnen in 1860 auf 26,4 Millionen Tonnen in 1870 an.



Arbeiterfamilie um 1900

Die Industrie begann sich sprunghaft zu entwickeln, mit dieser auch die Bevölkerung. In Hannover hat eine schnelle Zunahme der Bevölkerung stattgefunden. Von 87.641 Einwohner im Jahre 1871 ist die Bevölkerung auf 235.649 Einwohner im Jahre 1900 angestiegen. In der schnell wachsenden Stadt baute man auch billige Wohnviertel für die Arbeiterschaft oft mehrstöckige Mietskasernen mit mehreren Hinterhöfen.

Allerdings gab es auch positive Beispiele, einige Bergbauunternehmer sorgten- auch in ihrem eigenen Interesse- dafür, dass es ihren Bergleuten relativ gut ging. Zum Beispiel wurde von einigen, Bauland und günstige Kredite für Häuser mit kleinen Gärten zum Gemüseanbau und zur Kleintierhaltung angeboten.   Um neue Bergleute in der Nähe der Gruben anzusiedeln, ließ Egestorff in der Barsinghäuser Straße,  neben den Steiger-Haus, kleine Bergarbeiterhäuser mit Garten errichten. Barsinghausen        Diese Siedlungshäuser waren für diese Zeit sehr typisch.

 

Eine Hypothek von 900 Mark mit einem Zinssatz von 4 % wurde im Jahr 1879 von der Kasse des Hannoverschen Knappschaftsvereins zu Barsinghausen an meinen Vorfahren (Ernst Friedrich Ludwig Meyer-Bergmann und Anbauer zu Wennigsen) vergeben. Er nutzte das Darlehen, um eine Anbauerstelle zu erwerben.


Auch wurde in einigen Gebieten verbilligtes Getreide zur Verfügung gestellt, und nicht wenige freuten sich auch auf den stark verbilligten Schachtschnaps. Das Gehalt der Bergleute lag höher als in der Landwirtschaft. Die Bergleute haben auch von der Klosterkammer Ackerland gepachtet, hier wurden überwiegend Getreide und Kartoffeln angepflanzt. Obst- und Gemüsegärten waren meist direkt an den Häusen der Bermannsfamilien angegliedert. In den kleinen, an den Häusen angebauten Ställen wurden Schweine, Ziegen, Kaninchen und Hühner gehalten. Dieses war zur Eigenversorgen der Erwachsenen und der  oft großen Kinderschar unbedingt erforderlich. Gerade in wirtschaftlichen Kriesenzeiten ,  als das Jahreseinkommen der Bergarbeiter am Deister  im Jahre 1874 von 836 Mark auf  437 Mark im Jahre 1879  gesunken war, hat die Eigenversorgung, die Bergarbeiterfamilien vor Not und bitterer Armut bewahrt .

Die Bergarbeit unter Tage musste unter Bedingungen verrichtet werden, die den Körper extrem belasten.


Mein Urgroßvater war ein Bergmann, der in den Deisterbergwerken schuftete. Er kam oft durchnässt und erschöpft

nach Hause. Mein Urgroßvater musste jeden Tag bei jedem Wetter zu Fuß zur Grube und wieder zurück laufen. Die

Arbeitsbedingungen in den Stollen waren feucht und kalt. Mein Urgroßvater litt unter Rheuma, das durch die Nässe

verschlimmert wurde. Er hatte keine Möglichkeit, sich in der Grube umzuziehen oder zu duschen, also trug er seine schmutzige Kleidung nach Hause.


Der Wennigser Bergmann August Schwake berichtete 1950 in der Festschrift "750 Jahre Wennigsen "

"Das Wennigser Bergleute  wegen der in vergangener Zeit  recht beschwerlichen Anmarschwege und mangelhaften  Sozialeinrichtungen, in verhältnimäßig  frühem Alter den Beruf aufgeben mussten oder Invalide wurden. So war es vor einigen Jahrzehnten noch üblich , daß die Knappen  in der durchnässten Arbeitskleidung den Weg nach Hause  antraten. Es war keine Seltenheit, wenn jemand daher mit 38 Jahren  schon seine letzte Ausfahrt machte."


Eine weitere Krankheit, die viele Bergleute plagte, war die Staublunge. Sie wurde vor allem bei den Hauern diagnostiziert, die für den Streckenvortrieb zuständig waren. Diese Krankheit wurde schon im 16. Jahrhundert von Agricola ( 1494 -1555) in seinem Buch " De Re Metallica " beschrieben. Die Bergleute waren auch anfällig für Tuberkulose, Haut- und Augenleiden sowie rheumatische Beschwerden aufgrund der harten körperlichen Arbeit.

"Anfang vierzig war man im statistischen Mittel „bergfertig“, war körperlich nicht mehr in der Lage, die schwere Arbeit in der Grube zu leisten.  Kaum ein Arbeiter unter Tage war älter als 40 Jahre "(Allgemeiner Knappschaftsverein 1909, 56).



Kinderarbeit im Steinkohlebergbau

Kinderarbeit gab es schon in der Antike, mit der  Industrialisierung im 19.Jahrhundert  veränderte sich ihre Bedeutung.

In der Gewerbeordnung des Norddeutschen Bundes wurde die Altergrenze für die Kinderarbeit auf 12 Jahre angehoben. Die erlaubte Höchstarbeitszeit wurde auf zehn Stunden beschränkt.

Kinder wurden im Bergbau für verschiedene Aufgaben eingesetzt, als Grubenpferdeführer, Kohlenschlepper, Lorenzieher und Öffner für Wettertüren.

Im Bergbau konnten manche Arbeiten nur von Kindern ausgeführt werden, da die Flöze und Gänge oftmals  niedrig waren, die Nische hinter der Wettertür winzig.In den Gruben am Hülsebrink haben vermutlich  die Kinder die Schlepptröge mit den Steinkohlen aus den Abbaustrecken in die Förderstrecken gezogen. Noch 1977 haben wir im oberen Deisterstollen die Abdrücke der kleinen Hände an den Einmündungen zur Abbaustrecke zu sehen.


Steinkohlenschacht um 1900

Manfred Meyer

Max-Planck-Str. 51

30974 Wennigsen


Glück Auf