Piesberg

Steinkohlebergbau im Fürstentum Osnabrück

Bergbau am Piesberg

Anthrazitkohlebergbau ab 1461 am Piesberg

Eine geologische Besonderheit ist das Kohlevorkommen aus den Karbon am Piesberg . Dieses war durch magmatische Gesteine im Untergrund derart aufgeheizt worden, dass sie zu nahezu vollständig entgastem Antrazit wurde.

Steinkohlenbergbau wurde 1461 das erste Mal urkundlich erwähnt, vermutlich wurde die Kohle damals zur Befeuerung eines Kalkofens eingesetzt. Der Abbau ging auf 4 Flözen um, Flöz Johannesstein, Flöz Mittel, Flöz Dreibänke und Flöz Zweibänke. Die Mächtigkeit der abgebauten Flöze beträgt 0,5- 1,2m. Bei der Kohle handelt es sich um sehr hochwertige Anthrazitkohle.

 Im heutigen Steinbruch kann man immer wieder Zeugen des Bergbaus entdecken, gebrochene Ausbauten, Holzschienen und anderes.


1540 wurde ein erster Schacht abgeteuft, der allerdings wegen starker Wasserzuflüsse wieder aufgegeben wurde. 1577 wurde ein Wasserlösungstollen geschlagen, erst damit war es möglich den Schacht zu betreiben und den Abbau fortzusetzen.


In den Jahren 1568- 1647 betrieb die Stadt Osnabrück die Zeche, die Fördermengen waren recht gering, die Kohle wurde nur zum Feuern von Kalköfen eingesetzt. Ab 1647 ging die Stadt dazu über den Betrieb jeweils für eine Dauer von 4 Jahren zu verpachten. Pächter war mit einer Ausnahme immer die Familie Pagenstecher.

In diese Zeit fallen auch mehrere Versuche Stollen vorzutreiben mit mäßigem Erfolg. Ende Juni 1727 wurde an der Nordseite des Piesberges begonnen den Lückerstollen aufzufahren. Im Jahre 1728 nachdem keine Kohle angetroffen wurde, und auch noch die Schmiede am Stollenmundloch abbrannte wurde dieses Vorhaben wieder aufgegeben. 

1728 wurde nach dem Scheitern des Lückerstollens ein altes Vorhaben was im Jahre 1727 verworfen wurde wieder aufgenommen. Der damalige Pächter Pagenstecher wollte ca. 15m (7 Lachter) höher einen Stollen vortreiben. Es wurden Bergleute aus dem Oberharz geholt um den später Mosbergstollen genannten Stollen in den Berg zu schlagen. Bereits 1730 wurde auch das wieder aufgegeben, da man an andere Stelle günstiger über einen Schacht an die Kohle kam.  




Bergmeister  Pagenstecher

 

1833 nach Tod des Bergmeisters Herold übernahm Pagenstecher als Bergmeister den Betrieb. Pagenstecher führte deutsche Förderwagen  die auf Hölzerne Schienen fuhren ein. Es wurden Bergleute zum Lernen in das Ruhrgebiet geschickt. Bis 1835 verlagerte sich der Abbau auch auf andere Flöze. Der Absatz der Kohlen wurde von 3817 Tonnen 1833 auf 27733 Tonnen im Jahre 1853 gesteigert. Der Hauptabsatz verlagerte sich von den Kalköfen auf Hausbrand und Industrie.

1850 wurde der Lechtinger tiefe Stollen aufgefahren und man erreicht 1853 das Flöz Dreibänke. Im September 1857 wurde eine Zweigbahn zur Zeche in Betrieb genommen, im Zuge der Planung wurde zuvor auch endlich der Hasestollen vorangetrieben. 1867 steigerte sich der Absatz auf 62576 Tonnen. Mittlerweile wurde als Abbauverfahren auch streichender beziehungsweise diagonaler Pfeilerbau eingesetzt. In späteren Jahren auch Bruchbau.


1868 wurde begonnen in den Tiefbau zu gehen, Schacht 4 wurde weiter abgeteuft das Vorhaben wurde aber wieder wegen zu großer Wasserzuläufe aufgegeben. Man begann daraufhin am Fürstenauer Weg den Haseschacht abzuteufen.

1873 begann man den 210m tiefen Stüveschacht als zweiten Tiefbauschacht abzuteufen. 1876 kam es zu einem großen Wassereinbruch in den Schacht, und der Abbau musste für eine Zeit eingestellt werden.


1884 wurde der Schacht wieder gesumpft und eine zweite Wasserhaltungsmaschine aufgestellt. 1880 wurde eine Kohlenaufbereitung am Hasestollen in Betreib genommen. Wegen sinkender Kohlepreisen wurde bereits 1871 der Verkauf des Bergwerkes empfohlen. Am 2 August 1889 wurde das Berwerk an den Georgs- Marien- Bergwerks und Hüttenverein verkauft.  Die Förderung wurde von anfangs 500 Tonnen auf bis zu 800 Tonnen am Tag gesteigert. 1897 wurde eine Jahresfördermenge von  186734 Tonnen erreicht. Bereits 1892 wurde vom Stüveschacht ausgehend eine zweite Tiefbausohle angelegt.


Quelle : Naturwissentschaftlicher Verein Osnabrück e.V.

Grubenunglück am Stüveschacht


Am 1. September 1893 ereignete sich am Stüveschacht auf der Mittelsohle ein Grubenunglück bei dem 9 Bergleute ums Leben kamen , auf Flöz Zweibänke kam es zu einen verheerenden Einbruch von stark mit kohlensäure durchsetzten Wasser. Nur 5 der 14 auf Flöz Zweibänke arbeitenden Bergleute konnten sich retten. Erst im Jahre 1894 nach aufstellen einer Hilfspumpe konnten im März 1894 die Toten geborgen werden, sie wurden auf dem Hasefriedhof beigesetzt.  1897 ereignete sich ein erneuter Wassereinbruch mit 47 m3 /min, auch der Salzgehalt der schon oft für Probleme gesorgt hat stieg weiter an. Der gesamte Nordflügel des Stüveschacht musste abgemauert werden, Die Förderung sank von 700 Tonnen am Tag auf 400 Tonnen.


Ende des Kohlenbergbau am Piesberg


Nach dem Wassereinbruch und der Abmauerung des Nordflügels der noch für 25 Jahre Kohle erschlossen hatte, stellte sich die Frage nach einer wirtschaftlichen Weiterführung des Berbaus. Seit April 1898 befanden sich auch die Bergleute im Streik. Am 18 Juni 1898 wurde von der Aktionärsversammlung  die Stilllegung beschlossen. Noch am gleichen Abend wurden die Wasserhaltungsmaschinen abgestellt. Damit endete der Kohlenbergbau am Piesberg,


Notbergbau

In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg wurde von 1947-1952 noch einmal im Rahmen des Notbergbau Kohle gefördert.



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Historischer Bergbau in Georgsmarienhütte

22. August 1889:

Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein kauft von der Stadt Osnabrück die Zeche Piesberg für 3.535.834,78 Mark
- zur Verstärkung seiner Kohlenbasis
- zur Unabhängigkeit von den westfälischen Zechen und der damit verbundenen Minderung der hohen Frachtkosten
Die geförderte Anthrazitkohle eignete sich „sowohl zur Kesselheizung, als

auch zum Hochofenbetriebe .


Der Bergarbeiterstreik von 1898 und das Ende des Kohlebergbaus im Piesberg



Der Streit um die Erhaltung von katholischen Feiertagen und die  Stilllegung der Gruben hatte große gesellschaftspolitische Ursachen und Folgen.  Kohlebergwerk und Steinbruch am Piesberg waren 1889 von der Stadt Osnabrück an den Georgs-Marien-Hütten-Verein verkauft worden. Bis dahin wurde  an den so genannten kleinen katholischen Feiertagen nicht gearbeitet, und die  Gläubigen waren zum Besuch der hl. Messe verpflichtet. An Hl. Dreikönige (6.  Jan.), Mariä Lichtmeß (2. Febr.), Mariä Verkündigung (25. März), Peter und Paul  (29. Juni), Mariä Geburt (8. Sept.), Allerheiligen (1. Nov.) und Mariä Empfängnis  (8. Dez.) ruhte die Arbeit im Piesberg. Das blieb auch beim neuen Eigentümer  zunächst so. Als dann aber ein zweiter Tiefbauschacht niedergebracht wurde, um  an tiefer gelegene Kohleflöze heranzukommen, die weit unter dem Grundwasserspiegel lagen, führte das zu erheblichen Wassereinbrüchen. Das gefährdete die  Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Hinzu kam, dass die Landwirte entlang der  Hase gegen die Einleitung des Salzwassers in den Fluß prozessierten, weil sie  das Hasewasser zur Bewässerung ihrer Rieselwiesen nutzten. Ein 48 km langer  Kanal zur Ems schien zwar machbar aber zu teuer.

So nahm denn Generaldirektor des Georgs-Marien-Hütten-Vereins, August Haarmann Kontakt auf mit dem Bischof Dr. Bernhard Höting, um über die Feiertagsregelung zu verhandeln. Der Bischof holte dazu die Meinungen der Pfarrer der  betroffenen Pfarrgemeinden ein. Die Pfarrer waren sich einig, daß die Arbeiten  zur Wasserhaltung auch an Feiertagen notwendig seien, Kohleförderung sei aber  nicht nötig. Falls erforderlich, seien die Arbeiter auch zu Überschichten bereit. Am  liebsten wollten sie die Feiertage beibehalten.

Wenn trotzdem gearbeitet werden  müsse, sei es ihnen allerdings nicht möglich, vorher einen Gottesdienst zu besuchen. In weiteren Verhandlungen schlug die Werksleitung vor, vor Beginn der  Arbeit in der Kapelle zu Eversburg und in der Pfarrkirche zu Wallenhorst eine hl.  Messe anzubieten. Wegen des Schichtbeginns um 6.00 Uhr, mussten diese Gottesdienste schon um 4.00 Uhr stattfinden. Das wiederum fanden die Geistlichen  als unzumutbar. Am Dreikönigstag 1898 gab es keinen Frühgottesdienst, und  die Arbeiter erschienen nicht zur Arbeit. Auch am 2. Februar, Mariä Lichtmeß,  kam mehr als die Hälfte der Bergleute und Steinbrucharbeiter nicht zur Arbeit.  Die Werksleitung machte die Geistlichen von Wallenhorst und Eversburg dafür  verantwortlich und forderte erneut die Einrichtung von Frühgottesdiensten. Die  Pfarrer lehnten jedoch weitere Besprechungen ab.

Der Streit um die Feiertage fand inzwischen auch in anderen Regionen Beachtung.  Die Kontakte des Eversburger Vikars Bucholtz zum Vorsitzenden des „Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter“, August Brust in Essen, führte am 27. Februar  1898 zur Gründung eines örtlichen „Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter“.  Am 25. März 1898, Mariä Verkündigung, kamen trotz Verlegung des Schichtbeginns auf 9.00 Uhr 325 katholische und 8 evangelische Bergleute nicht zur Arbeit.  Diesen wurde sofort gekündigt, worauf 108 Bergleute und 331 Steinbrucharbeiter ihrerseits kündigten. Am 12. April schlossen sich weitere 700 Arbeiter den  Streikenden an. Die Bergarbeiter wollten unter allen Umständen die Feiertage  behalten.

Hatten bisher der Bischof und die Pfarrgeistlichen ohne Mitsprache der Arbeiter  mit der Werksleitung verhandelt, so stützten sich die Verhandlungsführer offenbar angetrieben vom Eversburger Víkar Bucholtz von nun auf die Forderungen  der Bergleute. Diese wurden unterstützt von den sozialreformerischen Ideen des  1890 gegründeten „Volksvereins für das katholische Deutschland“. Von großem  Einfluss war sicher auch die 1891 von Papst Leo Xlll. verfasste Enzyklika „Rerum  novarum“. Diese Enzyklika betont das Recht der Arbeiter, eigene Angelegenheiten selbst zu regeln und Vereinigungen zur Interessenvertretung zu bilden. Die  Werksleitung lehnte dagegen die Beteiligung der Belegschaft an technischen und  wirtschaftlichen Entscheidungen ab, da dafür die Kenntnisse fehlten.  Der Bergarbeiterstreik bekam damit eine hochpolitische Note. Jetzt standen sich  katholische Arbeiterorganisationen mit der dahinter stehenden Zentrumspartei  und die Nationalliberale Partei als Vertreterin der kapitalistischen Wirtschaftsinteressen gegenüber. Das Ende war die Schließung des Kohlebergbaus und für viele  Bergarbeiter Arbeitslosigkeit.

Die streikenden Bergarbeiter hatten ihr Ziel nicht erreicht. Sie hatten aber erfahren,  dass man durch Solidarisierung und gewerkschaftlichen Zusammenschluss die  eigenen Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen kann. Ihr Selbstbewusstsein  war erwacht. Die Arbeiter wollten sie sich nicht länger unmündig und unselbständig behandeln lassen und forderten ihre Rechte im Wirtschaftsprozess. (He)

Quelle: Bürger-Echo vom 8.4.2010  Prof. Dr. Wolfgang Klein   



Bekanntmachung.
Auf Grund der in letzter Zeit am Piesberg eingetretenen
Verhältnisse haben die Aktionäre des Georgs-Marien-Bergwerks- und
Hütten-Vereins in der heutigen außerordentlichen Generalversammlung die Einstellung des Bergwerksbetriebes beschlossen.
Die dem Werke treu gebliebenen Arbeiter werden auch ferner
in unseren Betrieben Beschäftigung erhalten und zwar sollen hinsichtlich
der ihnen zuzuwendenden Arbeit die in der Verwaltung ausgesprochenen
Wünsche nach Möglichkeit Berücksichtigung finden.
Osnabrück, den 8. Juni 1898.
Der Vorstand des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins.


Gründe:
- Ausstand Piesberger Bergleute, die gegen die Abschaffung arbeitsfreier
katholischer kirchlicher Feiertage protestierten:
 Heilige Drei Könige (06. Januar)  Mariä Lichtmess (02. Februar)
 Mariä Verkündung (25. März)  Peter und Paul (29. Juni)
 Mariä Geburt (08. September)  Allerheiligen (01. November)
 Mariä Empfängnis (08. Dezember)
- Ständige Wassereinbrüche


Quelle :

„Geologie und der Abbau von Bodenschätzen im Gebiet der heutigen Stadt Bad Iburg“
Horst Grebing