Kalibergwerk Siegfried- Giesen

Neustart  Siegfried-Giesen ?

⭐ Kalibergwerk Siegfried‑Giesen – Geschichte, Technik und aktueller Stand


🧭 Einleitung

Das Kalibergwerk Siegfried‑Giesen zählt zu den bedeutenden historischen Bergwerksstandorten Niedersachsens. Es liegt auf dem Salzstock Sarstedt zwischen Giesen, Ahrbergen, Sarstedt und Barnten und wurde von 1909 bis 1987betrieben. Seit der Stilllegung wird es als Reservebergwerkoffengehalten. In den vergangenen Jahren rückte der Standort erneut in den Fokus, da K+S eine mögliche Wiederinbetriebnahme prüft.


🏭 Historischer Überblick


Abteufen und Ausbau des Schachtes (1906–1913)


Am 6. Dezember 1906 begann das Abteufen des Schachtes. Trotz starker Wasserzuflüsse erreichte er am 25. November 1909 die vorläufige Endteufe von 765 m. Im oberen Bereich kam das Kind‑Chaudron‑Verfahren zum Einsatz. Die ersten 173 m wurden mit eisernen Tübbings bei einem Durchmesser von 4,10 m ausgebaut, darunter stand der Schacht in Mauerung mit 4,50 m Durchmesser.


Auf den 400‑, 650‑ und 750‑m‑Sohlen wurden Füllorte angesetzt, von denen aus die zuvor erbohrten Lager angefahren wurden. Dabei wurde ein Sylvinitlager von 52 m Mächtigkeit und einem Chlorkaliumgehalt bis zu 50 % erschlossen.


1910 erfolgte die Vertiefung auf 803 m sowie der Bau eines Blindschachtes mit Unterwerksbau bei 850 m.


Unglück von 1910


Am 18. Oktober 1910 kam es unter Tage zu einer Sprengstoffexplosion, bei der 18 Bergleute ums Leben kamen.



Tagesanlagen und Infrastruktur


Während der Teufarbeiten entstanden:

  • Fördermaschinenhaus mit 735‑kW‑Tandemverbunddampf‑Fördermaschine

  • Kesselhaus

  • Verwaltung mit Kaue

  • Werkstätten

  • Bau der Werksbahn nach Harsum, gemeinsam betrieben mit den Schwesterwerken Rössing‑Barnten und Fürstenhall

  • 1913: Fertigstellung der Chlorkaliumfabrikder Siegfried‑Gruppe

  • Bau eines Dampfkraftwerkszur Versorgung aller drei Schachtanlagen mit elektrischer Energie







Betriebsgelände von K+ S mit dem Wohngebiet Siegfried Giesen und Kalihalde 

Ehemaliges Verwaltungsgebäude an der Schachtstraße.

Ehemalige Einfahrt zum Werksgelände an der Schachtstraße



                               🔧 Betriebsgeschichte bis 1987


Das Werk förderte Kalisalz aus Tiefen zwischen 400 und 1.050 m. 1987 wurde die Produktion aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt, das Bergwerk jedoch als Reservebergwerkzugänglich gehalten.



Die Schachtanlage Siegfried Giesen mit dem damaligen Förderturm, Schornstein und der ehemaligen Poststelle vorn links im Bild.

Quelle: Chronik Ahrbergen 2005 

🚧 

Schacht Fürstenhall – Modernisierung der Befahrungsanlage


Der Standort Fürstenhall ist einer der vier offenen Zugänge zum Grubengebäude. Die alte Befahrungsanlage aus den 1960er Jahren war technisch überholt und zu langsam (ca. 0,4 m/s, kleiner Korb, über 20 min Seilfahrt).


Modernisierung ab 2012


Ziel der Erneuerung war:

  • Beförderung von bis zu 30 Personenmit 4 m/s

  • Transport von bis zu 13 t Lastmit 1 m/s

  • Austausch der alten Trommelfördermaschine

  • Umbauten am Fördergerüst über Tage und am Füllort unter Tage

Beteiligte Unternehmen:


  • THYSSEN SCHACHTBAU(Gesamtmaßnahme)

  • OLKO‑Maschinentechnik GmbH(Fördermaschine)

  • Siemens(Elektrotechnik)



📜Planfeststellung,  Genehmigung und Brandereignis 2019


Planfeststellung (ab 2015)


Die Unterlagen zur Wiederinbetriebnahme wurden im Februar 2015 beim LBEG eingereicht. K+S rechnete ursprünglich bereits Ende 2015 mit einer Genehmigung und wollte 2016 über den Neustart entscheiden.


Genehmigung vom 30. Januar 2019


Das LBEG genehmigte die Wiederinbetriebnahme des Bergwerks Siegfried‑Giesen. Der Planfeststellungsbeschluss ermöglicht:

  • Bau neuer Anlagen

  • Schaffung von Arbeitsplätzen

  • Betrieb unter klaren Auflagen zum Schutz von Mensch und Umwelt



Brandereignis am 10. Januar 2019


Vor Beginn der Frühschicht wurde ein Brand auf der 750‑m‑Sohle entdeckt.

  • Kein Mitarbeiter befand sich unter Tage

  • Die Grubenwehr löschte vier brennende Bürocontainer

  • Das LBEG leitete Ermittlungen zur Brandursache ein




📈  Wirtschaftliche Lage und aktueller Stand (2021)


Ein Neustart des Bergwerks steht weiterhin in der Schwebe. Gründe:


  • Klagen von Umweltschutzverbänden gegen den Planfeststellungsbeschluss

  • Wirtschaftliche Rahmenbedingungen sprechen gegen Großinvestitionen

  • K+S priorisiert den Schuldenabbau

  • Der Konzern hat Fortschritte beim Verkauf seines amerikanischen Salzgeschäfts gemeldet

  • Großprojekte wie Siegfried‑Giesen werden daher zurückgestellt



🔮   Zukunftsperspektiven


K+S plant langfristig:


  • Förderung von bis zu 2,5 Mio. Tonnen Kalirohsalz pro Jahr

  • Laufzeit von 40 Jahren

  • Schaffung von rund 500 Arbeitsplätzen

Das Werk hätte perspektivisch auch Beschäftigten aus dem Werk Bokeloh eine neue Perspektive bieten können.


📌  Abschluss


Das Kalibergwerk Siegfried‑Giesen steht exemplarisch für die Entwicklung des Kalibergbaus in Niedersachsen. Es verbindet die technischen Herausforderungen der Anfangsjahre mit der industriellen Blütezeit und den heutigen wirtschaftlichen und ökologischen Rahmenbedingungen.
Ob der Neustart gelingt, hängt von Genehmigungen, Marktbedingungen und Investitionsentscheidungen ab – doch die Bedeutung des Standorts bleibt unbestritten.


Wie geht es weiter ?