Grubenunglücke

Die Grubenunglücke in Deutschland

Seit dem Menschen Bergbau betreiben, gibt es auch Grubenunglücke. Am Anfang der „Kohlgräberei“ wurden die Bergleute meistens verschüttet, oder von Wassereinbrüchen überrascht. Da in den Stollen damals nur einige Menschen arbeiteten, waren die Opferzahlen nicht sehr hoch. Tragischer wurde es dann, als man zum Tiefbau in Großschachtanlagen überging. Dort arbeiteten zeitweise fast 1000 Bergleute ,manchmal sogar noch mehr , in einer Schicht. Gab es dann eine Schlagwetter - oder Kohlenstaub-Explosion waren meistens hohe Opferzahlen zu beklagen. Viele Opfer forderten auch Wassereinbrüche. Seilrisse kamen häufig vor ,oder es gab Unfälle durch Übertreiben der Körbe , und viele Kumpels fanden im Schacht den Tod. Davon zeugen heute auf vielen Friedhöfen der Bergbaugebiete Denkmäler für die verunglückten Knappen. Namen von Zechen wie Minister Achenbach, Lengende,Grimberg,Radbod, Dahlbusch, Hansa, Consolidation, Sachsen, Minister Stein, Zollern und Neu –Iserlohn um nur einige zu nennen, stehen heute noch für unsägliches Leid, Männer die viel zu früh ihr Leben verloren, Kinder und Frauen, die Vater ,Ehemann oder Sohn verloren .Zu dem großen Leid kam noch hinzu ,daß mit einem Unglück viele Frauen mit hunderten kleinen Kindern ohne Ernährer waren , eine finanzielle Absicherung war damals noch unbekannt .

   Eines der schwersten Unglücke im Ruhrgebietsbergbau.

Durch eine Schlagwetterexplosion kamen am 8. August 1912 auf der Zeche „Lothringen“ in Gerthe, einem heutigen Stadtteil Bochums, über 100 Bergleute ums Leben. Es war zu der Zeit schwierig  für Arbeiter und Gewerkschaften , den Arbeitsschutz unter Tage zu verbessern und für bessere und menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu sorgen.


Kaiser Wilhelm, der am gleichen Tag  zum 100-jährigen Firmjubiläum der Firma Krupp in Essen weilte, äußerte sich im Zeitgeist der herrschenden Klasse über das Unglück :

Es ist von dem Armeekors der Kohle, das im Kampf mit der Erde steht, von Gefahren und Wettern umgeben, eine tapfere Schar wieder von bösen Wettern dahingerafft. Wir gedenken ihrer in Dankbarkeit, sie sind auf ihrem Felde der Ehre gefallen, und werden dem Herzen der Provinz, der sie  entstammen, und in der sie arbeiteten, unvergessen bleiben. Möge der Herr den Verwundeten und Leidenden beistehen und sie zur Gesundheit zurückführen"


Kaier Wilhelm II auf der Zeche Lothringen 1912

 Gemälde von Theodor Rocholl ( 1854-1933)

Bochum, Deutsches Bergbau-Museum

Dauerleihgabe des Eschweiler Bergwerks-Vereins, Herzogenrath


Verunglücktenbergung, Steinkohlebergbau

Foto: SLUB / Deutsche Fotothek

© SLUB / Deutsche Fotothek

 Aus Berichten der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und Chemische Industrie 

 Massenunfälle  in folgenden Gruben:


 1925    Schlagwetterexplosion Zeche Minister Stein ;

 1928    Seilfahrtunglück Zeche Oberhausen 

 1928    Wenzeslausgrube;

 1929    Schlagwetterkatastrophe

                  Glückhilf-Friedenshoffnung-Grube;

 1929    Pechkohlengrube Marienstein Kohlensäureausbruch;


 1930   21. Oktober um 07.29 Uhr 

                                   Grubenkatastrophen in Alsdorf

Das zweitgrößte Grubenunglück in der deutschen Bergbaugeschichte ereignete sich auf der Grube Anna II im Eduard-Schacht exakt um 07.29 Uhr am 21. Oktober 1930. Eine ungeheure Explosion mit einer gewaltigen Feuersäule hinterließ oberirdisch, wie unter Tage eine enorme Verwüstung. Selbst das ca. 36 m Hohe Fördergerüst stürzte um und zerschlug zahlreiche Gebäude. Wie hinterher festgestellt wurde, hatten viele Kumpels unter Tage zunächst die Explosion selbst überlebt. Aber es entwickelten sich Rauchschwaden mit Tod bringenden Gasen. Viele konnten sich trotzdem noch über andere Schächte, Anna I und Anna III, und sogar über eine Verbindung zur Grube Adolf in Merkstein retten.
271 Tote waren schließlich zu beklagen. Alsdorf war nicht nur in Deutschland, sondern weltweit in den Schlagzeilen. Rettungsmannschaften konnten noch viele, teils Schwerverletzte, aus den Stollen und aus zerstörten Gebäuden retten.  Die jüngsten beiden Opfer waren gerade einmal 15 Jahre alt gewesen.


Kohlensäureausbruch Neurode (1930);

Gebirgsschlag Concordiagrube (1930);

Schlagwetterexplosion Grube Maybach (1931);

Kohlensäureausbruch in der cons. Ruben-Grube (1931);

Schlagwetterexplosion Mont Cenis (1932);

Gebirgsschlag Karsten-Centrum (1932, 1934);

Explosionsunglück in der Kohlenwäsche-Separation der Zeche General Blumenthal (1933);

Explosionsunglück Zeche Mathias Stinnes in Karnap (1933);

Buggingen (1934) u.a.

Kohlenstaubexplosion auf der Brikettfabrik Meurostollen (1935);

Schlagwetterexplosion Zeche Mont-Cenis (1935);


15. Juni 1935  Schlagwtterexplosion  auf

                                         Zeche Adolf von Hansemann.

 Bergleute haben in 750 Meter Tiefe durch eine Schlagwetter-Explosion im „Wattenscheider Sattel“ des Flözes „Ida“ ihr Leben verloren.
Die Detonation hatte sich um 10.45 Uhr ereignet. Bei dieser schwersten Katastrophe, die der Bergbau in Mengede erlebt hatte, konnten zehn verunglückte Kumpel nur noch tot aus dem Schacht geborgen werden, 27 weitere Bergleute wurden so schwer verletzt, dass sieben von ihnen später ebenfalls verstarben.


Brand in der Grube Morgenstern (1935);

Wassereinbruch Grube Lauerweg (1935);

Grubenbrand Kalibergwerk 

Schlagwetterexplosion Zeche Constantin (1936); Schlagwetterexplosion Zeche Präsident (1936);

Einsturz in der Königin-Luise-Grube (1937); Schlagwetterexplosion Zeche Nordstern (1937);


1937 Explosion Schachtanlage  General Blumenthal 

1884 kommt es zu ersten Schlagwetter-Explosion, 19 Kumpel kommen ums Leben. General Blumenthal wird die Probleme mit schlagenden Wettern auch in den folgenden Jahren nicht los. Immer wieder kommen Bergleute um. Eine zweite Schlagwetterexplosion kostet 1890  20 Bergleuten das Leben,1896 werden auf Schacht 3 weitere 26 Bergleute durch eine neuerliche Schlagwetterexplosion getötet, die folgenden Jahre verlaufen ruhiger, bis 1937 wieder 15 Bergleute durch eine Schlagwetterexplosion sterben.


Explosion Grube Frankenholz (1938);

Wassereinbruch auf Ehrenfriedersdorf (1938); Kohlensäureausbruch in Kaiserroda (1938);

Einbruch im Schacht der Zeche Glückhilf-Friedenshoffnung (1938);

Einbruch Zeche Caroline (1938);

Strebunglück auf Grube Jägersfreude (1938);

Schachtanlage Concordia (1938);   



 

Massenunfälle in folgenden Gruben:

Seilfahrtunglück Königin-Elisabeth (1939);

Verkehrsunfall mit Bergleuten der Sektion II (1939); 


1939 Schlagwetterexplosion Zeche Hannover

Eine Schlagwetterexplosion auf der Schachtanlage 1/2/5 am 23. September  forderte 20 Tote und 19 Bergleute wurden verletzt. In der Folge entstand ein Grubenbrand, so dass ganze Abteilungen abgemauert werden mussten, um die Sauerstoffzuführung zum Brandherd zu unterbrechen.


Einbruch einer Strebe Zeche Erin (1939); Schlagwetterexplosion Zeche Koenigsborn (1939); Schlagwetterexplosion Zeche Radborn (1939); Grubenbrand Möllerschächten der Zeche Gladbeck (1939); Kohlenoxygasvergiftung im Omnibus auf dem Weg zur Arbeit Grube Grosse Burg (1939);

Grubenbrand Fuchs-Grube (1939)

Schlagwetterexplosion Zeche König Ludwig (1940); Schlagwetterexplosion Modrzejowgrube im Dombrowaer Bezirk (1940);

Gebirgsschläge Kaliwerke Krügershall (1940);

Pfeilerbruch auf Adolf-Hitler-Schacht in Rothaugezd (1940);

Strebenbruch Doggererz-Bergbau (1940);

Pfeilerbruch Ludwigsglück-Grube (1940);

Brand und Schlagwetterexplosion Grube Frankenholz (1941);

Schlagwetterexplosion Braunkohlengrube Fohnsdorf (1941);

Massenunglück auf der Zeche Luisenthal in Völklingen am 7.2.1962 mit über 200 tödlich verunglückten Bergleuten

Grubenunglück auf der Zeche Luisenthal in Völklingen am 7.2.1962 mit über 200 tödlich verunglückten Bergleuten

Schlagwetterexplosion auf einen Panel der Verwaltung der Union,AG für Bergbau,Eisen und Stahl

   1930 Grubenunglück  Alsdorf  Schacht Anna II

.Anzeigen über Massenunfälle in folgenden Gruben:

 

Grube Anna I (Jan. 1945);


 22.Januar 1946 Schachtanlage Peine I/II 

Im Schacht  ereignete sich am 22. Januar kurz nach der Wiederinbetriebnahme ein schwerer Seilfahrtunfall bei dem 46 Menschen starben und eine Person schwer verletzt wurde.


1946 Zeche Monopol Schacht Grimberg 

Die schwersten Grubenunglücke in Deutschland ereigneten sich auf der Zeche Monopol Schacht Grimberg 3/4 in Bergkamen am 20. Februar 1946 mit 405 Toten,

Da war dieser unglaublich laute Knall. Im nächsten Moment flog alles durch die Luft", erzählt Friedrich Hägerling im Gespräch mit n-tv.de. Eine riesige Druckwelle habe das Licht ausgeknipst. "Die Luft war voller Kohlenstaub und so schwarz, dass wir unsere Lampen nicht mehr sahen. Erst haben wir gar nicht begriffen, was da los war. Und diejenigen von uns, die noch laufen konnten, schleppten die Verletzten."

Nur 64 der 466 Mann starken Frühschicht überlebten. Aufgrund der gewaltigen Druckwelle kam es sogar über Tage zu Opfern: Drei Arbeiter wurden von umherfliegenden Trümmerteilen erschlagen. Es gab damals kaum eine Familie, die nicht von dem Unglück betroffen war.


Brikettfabrik II der BKB Helmstedt (Nov. 1946);


 

Seilriss Zeche Heinrich (1947); u.a.

Schachtanlage Caroline der Zeche Robert Müser (Mai 1948);  

Ostschacht Germania der Zeche Zollern I (Mai 1949); 

Georgschacht (Juli 1949); 

Brandkatastrophe in Johanngeorgenstadt (1949);

Explosion Zinkhütte Harlingerode (1949); 

Stolleneinsturz Friedlicher Nachbar (1950); 

Zeche Dahlbusch (Mai 1950);

Zeche Mathias Stinnes (Dez. 1951);

Heinrich Robert (Mai 1951);  

Zeche Adolf von Hansemann (Juni 1952);

Grubenunglück in der Grube Türnich-Mitte (BV Bonn) ( 1952 )

Schlagwetterexplosion Zeche Monopol (1953);

Großer Massenunfall (Treppeneinsturz) auf dem Schacht Haniel der Bergbau-AG Neue Hoffnung (20.01.1953)

Grubenunglück in der Zeche Hansa (BV Bochum) (1954-1955)

Grubenunglück auf der Zeche Dahlbusch am 3.08.1955 (BV Bochum)
Enthält : Berichte über die Anzahl der kranken und verletzten Versicherten

Chlorgasunglück Kaliwerk Heringen (1955); 

Strebbrüche Herne (1959); 

Einsturz Schachtanlage Lothringen (1960);


19. Juli 1960

Grubenunglück auf der Zeche "Hannoversche Treue" in Salzgitter

Bei einem Grubenbrand in der zum Salzgitterkonzern gehörenden Schachtanlage  waren am 19. Juli 1960 - 33 Bergleute ums Leben gekommen und 24 verletzt worden. der Auslöser des Brandes war eine offene Karbitlampe.


Schlagwetterexplosion Zeche Mansfeld (1960);

Gasexplosion Erzgrube Salzgitter (1960); 

Zeche Sachsen (Dez. 1962);

Grube Adolf Eschweiler Bergwerk (Dez. 1962);

Zeche Sachsen (Feb. 1962)

Massenunglück auf der Zeche Luisenthal in Völklingen am 7.2.1962 mit über 200 tödlich verunglückten Bergleuten
Enthält : Zeitungsausschnitte; Ursachenforschung

1953 - 1963

Grubenunglück auf der Zeche Nordstern (BV Bochum)
Enthält :auch Zeitungsartikel über den "Nordstern-Prozess" wegen Missachtung von Bergverordnungen


  1963  Erzbergwerk Lengede 

Das Grubenunglück von Lengede ereignete sich am 24. Oktober 1963 auf dem Gemeindegebiet von Lengede im der Ilseder Hütte gehörenden Eisenerzbergwerk Lengede-Broistedt. Von 129 Bergleuten der Mittagschicht, die sich zum Zeitpunkt des Bergbau-Unglücks unter Tage befanden, kamen 29 ums Leben. Die kaum noch für möglich gehaltene Rettung elf eingeschlossener Bergleute nach 14 Tagen ging als Wunder von Lengede in die Geschichte ein. 


Gasexplosion auf Robert Müser (1963);

Zeche Sachsen (März 1964);

Zeche "Hirschberg" (Juni 1965);

Zeche Mont Cenis (Juli 1965);

Strebbruch Constantin (1965); 

Zeche "Unser Fritz" (Juni 1966);

Einsturz Schacht Zeche Tönisberg (1967); 

Schlammeinbruch Erzgrube Auerbach (1968);

Zeche "Minister Achenbach" (Okt. 1968); 

Zeche Rossenray (Feb. 1966); 

Zeche "Lengede" (Jan. 1968);

D


Hüttenwerk Harz der Preussag (Juli 1970);

08.1981 - 06.1993
Bericht über Massenunglücke auf den Zechen Kaliwerk Hattorf, Zeche Haus Aden und Zeche Minister Achenbach


08.1973 - 06.1990
Bericht über Massenunglücke auf den Zechen Sachsen, Schlägel und Eisen, Stolzenbach (Altenburg), Warndt und dem Kaliwerk Winterhall

Gubenunglück in Völklingen 1962

Erinnerung an das Grubenunglück Dalenbusch 1943

Grubenunglück in Lengende 1963

In jungen Jahren Invalide  !

Im Bergbau war der frühzeitige Tod allgegenwärtig. Dies gilt für die reale Arbeitswelt ebenso wie für die bergmännische Kultur.   Die Lebenserwartung der Bergleute im deutschen Kaiserreich war im Vergleich zu anderen Berufsgruppen besonders gering. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts herrschte ständiger Arbeitskräftemangel,der nur durch den massiven Zuzug gedeckt werden konnte, vor allem von jungen, mobilen Leuten getragen wurde. Ab dem 16. Lebensjahr
durften diese unter Tage eingesetzt werden. Doch obwohl die jungen Männer  unerfahren war, gab es im Bergbau bis zum Ersten Weltkrieg kein Ausbildungssystem. Gleichzeitig wurden sie an besonders gefährlichen Arbeitsorten (als Schlepper, Bremser etc.) eingesetzt. Beides zusammen führte zu einem hohen Arbeitsrisiko.

Die Bergarbeit unter Tage musste unter Bedingungen verrichtet werden, die den Körper extrem belasten. Ihre Spuren waren in den Gesichtern der Bergleute zu sehen. Auf Fotografien aus dem Kaiserreich wirken Dreißigjährige mitunter wie alte Männer. Mitte  vierzig war man oft „bergfertig“,war körperlich nicht mehr in der Lage, die schwere Arbeit in der Grube zu leisten. Bergarbeiter  wurden 1908 durchschnittlich nach 17 Berufsjahren, im Alter von 42 Jahren, invalide. Wenige  Arbeiter unter Tage war älter als 40 Jahre

(Allgemeiner Knappschaftsverein 1909).

Die Bergarbeit, war extrem kräftezehrend, erforderte aber auch vielfach höchst komplexe Bewegungsabläufe,etwa in (halb) liegender Position oder beim Arbeiten über Kopf. Gerade auch das Rangieren mit den schweren Kohlewagen, zu dem vorwiegend Jungbergleute eingesetzt wurden, barg enorme Risiken. Dabei war höchste Konzentration gefordert, die – neben der ohnehin großen Belastung durch die schlechte Luft – angesichts der Dunkelheit nur bedingt aufrechterhalten werden konnte, umso weniger bei den Neubergleuten, auf die all diese Faktoren massiv einwirkten. Konzentrationsschwierigkeiten waren daher zwangsläufig und damit auch ein wachsendes Unfallrisiko. Die permanente Überanstrengung der Augen war das eine: Das Augenzittern (Nystagmus) war eine weit verbreitete Krankheit unter den Bergleuten und führte vielfach zur frühzeitigen Invalidisierung (Ohm 1912). 

Kölnische Zeitung  12 Oktober 1910