Bergleute und ihre Arbeit

Bergleute und ihre Arbeit

"Der Bergarbeiter, der für gewöhnlich schweigend sein Joch ertrug, erhob plötzlich seine Stimme!  Und die Bergarbeiter hatten Anlaß zur Klage, zu Forderungen. Ein überaus langer Arbeitstag, elende Löhne, vor allem jedoch Lohnabzug auf Schritt und Tritt-,diese furchbarste Plage des Arbeites!  Für jeden nicht ganz voll geladenen Wagen wurde den Arbeitern nichts gezahlt!  Unglücksfälle dezimierten sie, die Kapitalisten aber dachten nicht daran die Arbeitsverhältnisse zu ändern." Rosa Luxemburg zum Bergarbeiterstreik 1889

Bergleute und ihre Arbeit


Die Arbeit der Bergleute war schwer, und das Schaffen unter Tage mit zahlreichen Unbilden und Gefahren verbunden.

Die Bergleute wurden im Steinkohlebergbau überwiegend im Gedingelohn bezaht. Ihre Bezahlung richtete sich nach der pro Schicht abgelieferten vollen Kohlewagen , in der Bermannssprache Hunte genannt.

Bergleute waren und sind bei ihrer Arbeit  erheblichen Gefahren ausgesetzt. Im Bergbau ereigneten sich, bezogen auf die Beschäftigungszahl , die meisten Unfälle. Herabfallende Gesteins- und Kohlebrocken waren die häufigste Unfallursache.

Neben Unfällen gehören auch chronische Erkrankungen der Atemwege zu den häufigen Erscheinungen. Feiner mineralischer Staub lagerte sich in der Lunge ab und verursachte die sog.  Staublunge .

Unzureichende Grubenbewetterung, der Kohlenstaub und das Arbeiten in nassen Strecken und Örtern führten mit zunehmenden Alter  zu stark belastenden Erkrankungen, zur Invalidität und frühen Tod.

Durch den Bergbau bedingte Krankheiten wurden unterschiedslos  als " Bergsucht" bezeichnet.




Der berühmte Paracelsius lebte von 1493 bis 1541,

er war ein guter Kenner des Bergbauwesens

und widmete der  " Bergsucht" eine eigene Schrift.






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Nach Gründung des Deutschen Kaiserreiches erlebte die Wirtschaft einen rasanten Aufschwung. Neue große Schachtanlagen und Hüttenwerke wurden gebaut. Mit den stürmischen  fortschreitenen der  Industrialisierung  war ein ständig steigender Energieverbrauch verbunden. Die stärksten Antriebskräfte kamen aus den Steinkohlebergbau und zwar in Verbindung mit der Gewinnung von Eisenerzen als Grundlage für die Stahlerzeugung. .                                                                                                                                                                                                                                                                 

                                                                               

Der Bergbau entwickelte sich mit der Stahlindustrie und den Maschinenbau                                                                         zum bedeutensten Führungssektor der Wirtschaft.

Etwa 80% aller Primär                                                                 Energie kam Anfang 1900 aus kohlebetriebenen Dampfmaschinen.





Denn Steinkohle wurde mittlerweile mit den Lokomotiven der Eisenbahnen identifiziert und mit den Dampfern, die aus Stahl gebaut, mit kohlebefeuerten Kesseln betreiben wurden. Dementsprechend wuchs die Steinkohleproduktion in Deutschland  von 24 Millionen Tonnen (1867) auf 190 Millionen Tonnen (1913).


Die Veränderung im Abbauverfahren und der Einsatz mechanischer Fördereinrichtungen ( Schüttelrutschen ) brachte erhebliche Leistungssteigerungen. Entlang des Kohlenstoßes aufgestellte Blechrinnnen wurden durch Motoren hin- und her bewegt ( geschüttelt ) wodurch die Kohle selbst bei flacher Lagerung nach unten zur Grundstrecke rutschte, um von dort zum Schacht weitertransportiert zu werden. Die Arbeitsgeschwindigkeit stieg, der Steiger wurde vollends zum Antreiber. Die Verminderung der körperlichen Belastung

wurde durch gesteigerte Arbeitsintensität  und verschlechterte Umweltbedingungen mehr als wett gemacht. Die Staubentwicklung stieg durch das ständige Schütteln der Kohle in den Rutschen sprunghaft an, der zusätzliche  Lärm vermittelte das Gefühl einer erhöhten Gefährdung. Das typische, jeden Hauer bekannte Knistern im Gebirge, das ihn vor einen drohenden Bruch warnte , konnte  nicht mehr wargenommen werden. Die Reaktion der Bergleute vor Ort war durchweg negativ, es half aber nichts, die Produktionssteigerung war den Unternehmern wichtiger, vor Ort mussten die Steiger die Neuerungen umsetzen.

 

Der Ausbau der Zechen forderte insbesonders an der Ruhr zu einem hohen Arbeitskräftebedarf.

Da die Arbeitskräfte vor Ort nicht verfügbar waren wurden insbesonders  mit der Anwerbung   polnischer Arbeitskräfte aus den preußischen Ostprovinzen und dem heutigen Polen  begonnen. In den preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen arbeiteten um 1913  ca. 300.000 polnische Arbeitskräfte.1907 stammtem 12% aller Arbeiter in Westphalen aus Schlesien. An den großen Zechen wurden den Bergleuten günstige Werkswohnungen überlassen. Die betriebliche Sozialpolitik war  auch als Instrument gegen die aufkommende Arbeiterbewegung gedacht.  Die Bergleute mittels dieser Sozialleistungen zu befriedigen war eine Illusion, was die großen Streiks  zum Ende des 19.Jahrhunderts deutlich machten.

Infolge der Streiks wurden die ersten großen Bergarbeitergewerkschaften gegründet.






Akkordarbeit ist Mordarbeit

Rosa Luxemburg schrieb zu diesen Arbeitskämpfen:


" Der Krug jedoch geht solange zum Wasser , bis er bricht. Die Geduld der Arbeiter hat auch seine Grenzen. Die schamlos ausgebeuteten deutschen Bergarbeiter verloren endlich ihre Geduld, und so brach plötzlich vor 5 Jahren ( 1889) der Streik von hunderttausenden Bergarbeitern aus.... Der Bergarbeiter, der für gewöhnlich schweigend sein Joch ertrug, erhob plötzlich seine Stimme!  Und die Bergarbeiter hatten Anlaß zur Klage, zu Forderungen. Ein überaus langer Arbeitstag, elende Löhne, vor allem jedoch Lohnabzug auf Schritt und Tritt-,diese furchbarste Plage des Arbeites!  Für jeden nicht ganz voll geladenen Wagen wurde den Arbeitern nichts gezahlt!  Unglücksfälle dezimierten sie, die Kapitalisten aber dachten nicht daran die Arbeitsverhältnisse zu ändern.......... Ein Teil der deutschen Bergarbeiter war damals noch so blind, daß er Hilfe von- der Regierung erhoffte. Es wurde eine Deputation an den Kaiser mit der Bitte um Hilfe gesandt. Der Deutsche Kaiser antwortete ungefähr mit folgenden Worten:" Kehrt zur Arbeit zurück und macht keinenAufruhr, so wird es euch schon besser gehen".

Derart abgefertigt, kehrten die Bergarbeiter jedoch nicht gleich zur Arbeit zurück. Sie streikten mehre Monate lang, litten Hunger und wollten nicht wieder ins Joch. Die Regierung und die Kapitalisten verfolgten sie, wo es nur ging. Endlich erschöpften sich die Kräfte, sie kehrten zur Arbeit zurück...... Dafür  aber zeigte der Streik auch, daß es ihrer, der Bergarbeiter, eine gewaltige Menge gibt, daß sie geschlossen in den Kampf treten müssen und nur aus eigener Kraft, sonst auf niemanandes Hilfe rechnen dürfen . Und so organisierten sie auch im Jahre 1889 sofort einen starken Verband der Berg- und Hüttenarbeiter....... Auf dem Verbandstag (Essen im  Dezember 1904) sagt ein Bergarbeiter aus Sachsen-," wenn wir nicht elend zugrunde gehen wollen , müssen wir den achtstündigen Arbeitstag erlangen ."...... Genauso klagten die Bergarbeiter über die Akkordarbeit. "Die Akkordarbeit ist ebenfalls eine der Ursachen des Bergarbeiterelends." Der Bergarbeiter denkt, er werde mehr verdienen, und schuftet mehr, als es seine Kräfte zulassen, bis er seine Besinnung völlig verliert. "Akkordarbeit - Mordarbeit" sagen alle..........

Übereinstimmend beklagen sich sämtliche Arbeiter über die Häufigkeit der Unglücksfälle in den Gruben. Hunderte von Bergarbeitern gehen alljährlich ihre Glieder oder auch das Leben verlustig, die Frauen und Kinder im Elend zurücklassen."




Glück Auf 

Manfred Meyer

Max-Planck-Str. 51

30974 Wennigsen

Steinkohlenschacht um 1900