
Steinkohlenbergbau im Deister
Der Aufschwung des Deisterbergbaus im 19.Jahrhundert begann dort,
wo auch der Bergbau selbst seinen Ursprung hatte :
am Bröhn oberhalb von Wennigsen .
Im Jahre 1866 wird Egestorff als der Begründer des Bergbaus am Deister genannt.
Oberer Feldbergstollen
Der Stollenausbau dient zur Absicherung vor Einsturz des Stollens.
Der Ausbau erfolgte hier als Gewölbemauerung aus Deistersandstein in Trockenmauerausführung.
Hauer im Streb
Die Bauwürdigkeit eines Kohleflözes begann bei einer Mächtigkeit von
35 cm bis 48 cm- etwa die Schulterhöhe eines liegenden Bergmanns .
Die Kohle wurde vom Hauer, der unter beengten Bedingungen und bei spärlicher Beleuchtung im Streb lag, mit der Keilhaue aus dem Flöz herausgelöst. Anschließend schaufelte er das Fördergut in flache Schlepptroge,die von Schleppern kriechend in die Abbaustrecke gezogen wurden.

Die Geschichte des Kohlebergbaus im Deister ist eng mit den Namen Egestorff verbunden.
Der Lindener Kalkhändler Johann Egestorff , im Volksmund auch " Kalkjohann "genannt , erkannte fruh das Potential der Deisterkohle, die sich hervorragend zum Brennen von Kalk eignete. Bereits 1807 pachtete die Grube am Bröhn , wo der Bergbau im Deister seinen Ursprung genommen hatte. Egestorff baute die Gruben systematisch aus, erweiterte seinen Bergwerksbesitz und pachtete 1815 die Schürfrechte am Bröhn und Hülsebrink direkt vom Grafen von Platen-Hallermund .
Der Kalkjohann erschloss der Wealdenkohle aus dem Bröhner-Revier einen überregionalen Absatzmarkt . Im Jahre 1821 förderte die Grube bereits rund 1.500 Tonnen Kohle . Neben der Kalkindustrie belieferte Egestorff auch andere Wirtschaftszweige , wie Brauereien, Schnapsbrennereien, Salinen, Textilhersteller, Ziegeleien und Zuckerfabriken die wegen der Holzverknappung zunehmend auf Kohlenfeuerung umstellten.
"Das Haupt-Kohleflötz des Deisters wurde am Bröhn mit einer Mächtigkeit von 33 cm angetroffen. Das Liegende des Flötzes ist mitgenommen worden, um die notwendige Höhe zu erhalten, daß ein Arbeiter seitlich liegen kann, um die Kohle zu gewinnen.
Am Kniggenbrink hat es bereits eine Mächtigkeit von 45 cm, im Egestorfer Stollen 63 cm, im Klosterstollen bis 88 cm, in Hohenbostel 100 cm ."
(Wilhelm Heidorn Königlicher Obersteiger a.D. 1903 )
Durch die in Folge von Raubbau schwindenen Waldbestände und den steigenden Holzpreis ließ der Kalkjohann fortan seine Öfen in den Kalkbrennereien Linden und Ronnenberg mit Deisterkohle betreiben. Somit rettete der Steinkohlenbergbau die ausgedehnten Wälder des Deisters vor weitgehender Vernichtung, da bis dahin die Glashütten und Kalkbrennereien immense Mengen Holz verbrauchten. Durch die steigende Nachfrage nach Deisterkohle, konnte Egestorff den Kohlenhandel in Hannover und Linden bereits 1813 in seiner Hand konzentrieren.
( aus der Steinkohlenbergbau von Heinrich Ewert )



Johann Egestorff stieg vom einfachen Böttchergesellen zum erfolgreichen Industriellen auf. Zu seinem umfangreichen Unternehmensbesitz zählten rund 24 Kalköfen, zwei Ziegeleien, eine Zuckerfabrik, ein Bauholzhandel, mehrere Bergbaubetriebe sowie die Leineschifffahrt zwischen Hannover und Bremen.
Georg Egestorff
Georg Egestorff setzte sich früh für die soziale Absicherung seiner Arbeiter ein. Er gründete Kranken-, Unterstützungs- und Sterbekassen, um ihnen Schutz bei Krankheit, Invalidität und im Todesfall zu bieten. Die Bergleute waren über die Egestorffsche Knappschaft gegen Krankheit und Invalidität versichert.
Bereits 1831gründete Egestorff die Saline Egestorfhall in Badenstedt, ein weiterer Meilenstein seines unternehmerischen Wirkens.
Bergmännischer Leiter der
Egestorffschen Bergwerke am Deister war
Obersteiger Christian Hesse
(*4. Dezember 1803 – † 10. Mai 1872).
Christian Hesse war seit 1817 in den Egestorffschen Deisterbergwerken tätig.
Ihm zur Seite standen sein Sohn
Georg Hesse, der 1858 zum Steiger ernannt wurde, sowie Steiger Wilhelm Hesse sen.
und Aufseher Friedrich Lango.

Dicker Stein
Wegweiser zu der Deister- Kohlenstrasse und Bröhner- Kohlenstrasse ( Königsweg)- Richtung Georgsplatz
1827vor dem Klosterforstamt aufgestellt
Begünstigt durch die starke Nachfrage nach Kohle in Linden und Hannover erlebte der Deisterbergbau im 19. Jahrhundert einen deutlichen Aufschwung. Nach dem Tod Johann Egestorffs im Jahr 1834 übernahm sein Sohn Georg Egestorff einen bedeutenden Bergwerksbesitz. Er weitete das Bröhner Revier zunächst auf den Hülsebrink und 1836 auf den Feldberg aus und leitete damit einen planmäßigen Kohlenabbau größeren Umfangs ein.
Bereits 1835 erreichten die zahlreichen aufstrebenden Gruben am Deister eine Jahresförderung von 18.000 Tonnen Steinkohle.
Am Feldberg wurden ab 1836 drei Schächte und zwei Stollen angelegt, aus denen Wealden-Kohle gefördert wurde. Der mittlere Schacht wurde direkt neben den heutigen Wasserrädern abgeteuft. Der Abbau gestaltete sich jedoch schwierig: ungünstige geologische Bedingungen, geringe Flözmächtigkeit, teilweise schlechte Kohlequalität, starke Feuchtigkeit und matte Wetter erschwerten die Arbeit erheblich.
Der Transport der Kohle nach Linden war aufgrund schlechter Wegverhältnisse äußerst mühsam. Schon 1850 plante Georg Egestorff daher eine Eisenbahnlinie zum Deister.
Bereits 1840 wollte der Graf von Platen-Hallermund die verpachteten Bergwerke an Egestorff verkaufen. Die Regierung verweigerte jedoch die Genehmigung, da das Bergwerkseigentum nur den Grafen von Platen und seinen Erben verliehen wäre. Stattdessen bot sie Verhandlungen über einen Rückerwerb für die Landesherrschaft an. Das Hannoversche Ministerium verfolgte bereits damals das Ziel, alle Deisterbergwerke für den bevorstehenden Tiefbau in einer Hand zu vereinen.
Seit 1832 belieferte Egestorff die Militärbäckerei mit Steinkohle. 1847 wurden allein in den hannoverschen Kasernen und militärischen Einrichtungen 51.410 Himten Kohle verheizt – geliefert von den Egestorffschen Gruben.
Mit Vertrag vom 14. Mai 1852 gelang es Georg Egestorff schließlich, die bisher gepachteten Schürf- und Abbaurechte von der Familie von Platen käuflich zu erwerben.
Die zweite Hälfte der 1850er Jahre war geprägt von einem starken Industrialisierungsschub im Calenberger Land, der zu einem regelrechten „Kohlenfieber“ führte. Die Egestorffschen Unternehmen setzten etwa ein Drittel der vom Deister nach Hannover transportierten Kohle ab. Ein bedeutender Abnehmer war die größte mechanische Weberei in Linden mit 1.250 Arbeitern und 840 Webstühlen. 1868 bezog sie 200.000 Himten (Zentner )Steinkohle aus den Egestorffschen Gruben.
Zu dieser Zeit arbeiteten rund 220 Bergleute auf den Gruben am Bröhn, Feldberg und Hülsebrink. Zwischen 1852 und 1866 wurde der etwa zwei Kilometer lange „Tiefe Georgstollen“ zur Entwässerung der Abbaufelder angelegt. Er tritt bei den Finnnenhütten am Waldsportplatz zutage. Die Kohlequalität war am Bröhn am besten, am Hülsebrink am schlechtesten.
Die Abbaustollen wurden unterhalb der Flöze leicht ansteigend aufgefahren, um das Wasser abfließen zu lassen und die beladenen Grubenwagen leichter zum Stollenmund schieben zu können. Von den Stollen aus wurden Grundstrecken aufgefahren, das Lagerfeld durch Abbaustrecken in Pfeiler unterteilt und die Kohle im sogenannten „Streb“ gewonnen. Die Hauer lagen seitlich im Streb und lösten die Kohle mit einer Keilhaue, indem sie nahe der Flözunterseite („dem Liegenden“) einen schmalen Schlitz („Schram“) herauspickten. Die Kohle fiel herab und wurde vom Hauer in einen flachen Holzkasten („Schlepptrog“) geschaufelt. Dieser flache Holzkasten auf zwei Holzkufen wurde von der Arbeitsstelle im Streb zur unteren Abbaustrecke gezogen und dort in einen „Hunt“ entleert – einen Loren ähnlichen kastenförmigen Förderwagen. Einen vollen Hunt zu bewegen war äußerst anstrengend; der Bergmann „ging vor die Hunde“.
Der Abbau am Bröhn wurde zeitweise unrentabel – nicht nur wegen der geringen Flözstärke, sondern auch, weil man auf Kalk stieß. Der Steiger Hesse kommentierte dies gegenüber dem Bauern Wissel am „Trockenen Grund“ mit den Worten: „Was dein Geist nicht fassen kann, das bete du in Ehrfurcht an.“ Auf Nachfrage erklärte er: „Wo Kalk ist, steht keine Kohle.“
1864 waren nur noch 160 Bergleute in den Egestorffschen Gruben beschäftigt, die Jahresförderung betrug 19.000 Tonnen.
Am 22. September 1867 genehmigte das Königlich Preußische Berg- und Forstamt Clausthal die Zusammenlegung der Bergwerke am Feldberg und Hülsebrink mit dem nicht mehr betriebenen Werk am Bröhn unter dem Namen „Steinkohlenbergwerke am Bröhn, Feldberg und Hülsebrink bei Wennigsen“.
Der Deisterbergbau entwickelte sich zu einem industriellen Schwerpunkt in der Preußischen Provinz Hannover. Die Deisterkohle hatte strategische Bedeutung für die Ansiedlung von Industrie in Hannover und Linden und trug maßgeblich zur Entwicklung der Egestorffschen Maschinenfabrik zum Großbetrieb bei.
Bis zur Eröffnung der Deister-Eisenbahn im Jahr 1872 wurde die Kohle per Pferdefuhrwerk nach Linden transportiert. Ab 1850 unterhielten alle Deisterbergwerke Kohlelager am hannoverschen Bahnhof, um auch größere Bestellungen zügig bedienen zu können. Besonders in der Erntezeit fehlten oft ausreichend Fuhrwerke.
Ab 1890 verschärften sich die Wasserhaltungsprobleme
in den Tiefbauen. Zur Wasserhaltung wurden
Wasserstrahl-Elevatoren eingesetzt.
Das Betriebswasser wurde aus den Blanke Teich
entnommen und drückte das Grubenwasser mit einem
Druck von 6,5 atü bis zur Fördersohle.
Diese Pumpen wurden von der Firma Körting
in Hannover gebaut.
Anfang 1901 wurde der Bergbaubetrieb nach dem
Absaufen aller unteren Baue eingestellt. 1900
waren noch 44 Bergleute tätig.
Am 4. September 1901 berichtete Steiger Disselhorst dem Bergrevierbeamten Maurer (Hannover-Süd), dass die Schächte am Bröhn verfüllt und die Plätze der abgerissenen Häuser eingeebnet seien.
Die soziale Absicherung gegen Krankheit, Unfall und Invalidität erfolgte über die selbstverwaltete Egestorff’sche knappschaftliche Krankenkasse.“
Bis zum Jahr 1913 bestand ein umfangreicher Schriftverkehr zwischen der Lindener Zündhütchen-Thonwaren-Fabrik und dem Königlichen Oberbergamt bezüglich des Restvermögens der Egestorff’schen knappschaftlichen Krankenkasse. Aus diesen Unterlagen geht hervor, dass die Belegschaft, die im Jahr 1900 aus dem Betrieb ausschied, zu jeweils einem Drittel auf folgende Einrichtungen überging: die Königliche Berginspektion Barsinghausen, die umliegenden Kaliwerke sowie in den Ruhestand.
Die knappschaftliche Krankenkasse der Egestorff’schen Bergwerke bei Wennigsen wurde durch Beschluss des Königlichen Oberbergamts Clausthal zum 1. Januar 1914 aufgelöst. Das Restvermögen in Höhe von 4.891 Mark und 67 Pfennig wurde zu drei Sechstel der knappschaftlichen Krankenkasse der Königlichen Berginspektion am Deister zugesprochen. Jeweils ein Sechstel ging an die knappschaftlichen Krankenkassen der Kalibergwerke „Gewerkschaft Deutschland“ in Weetzen, der Alkaliwerke Ronnenberg sowie der „Gewerkschaft Hansa-Silberberg“ in Empelde.

Wasserstrahl Elevator zur Förderung der Grubenwässer in den Deisterbergwerken
Verfüllter Dorotheenschacht
am Bröhn
Der Schacht wurde 1878 abgeteuft
Grubenriss Hülsebrink
Brems- Stollen
Durch Urkunde vom 11. Januar 1696 hat der Herzog Ernst August zu Braunschweig-Lüneburg dem Grafen von Platen das vererbliche und veräußerliche Recht verliehen, die im Deister unter dem Bröhn und dem Hülsebrink des Kloster Wennigsen anstehenden Steinkohlen zu gewinnen und zu verwerten. Dieses Abbaurecht ist durch Erbvertrag vom 14/26. Mai 1852 auf den Fabrikanten Georg Egestorff zu Linden bei Hannover übergegangen und später von den Egestorff`schen Erben auf die Lindener Zündhütchen- und Thonwaaren- Fabrik übertragen worden.
Steinkohleflöz
27 cm bis 37 cm mächtig im Oberen Feldbergstollen

Oberer Feldbergstollen
Ausführung als Gewölbemauerung aus Deistersandstein

Die Mechanische Weberei in Hannover wurde 1837 als erstes Unternehmen dieser Art in Europa gegründet. Später entwickelte sie sich zum größten Betrieb seiner Art.
Neben den Fabriken von Johann und Georg Egestorff war die Weberei einer der Motoren der Industrialisierung im Königreich Hannover. Weltbekannt wurde der an der Ihme in Linden produzierte „Lindener Samt“.
Das Unternehmen bestand bis 1961. Nach dem Abriss der letzten Werksgebäude im Jahr 1972 verschwand ein bedeutendes Kapitel hannoverscher Industriegeschichte aus dem Stadtbild .

Die Mechanische Weberei in Hannover
Das Hauptkohleflöz ( Flöz 3 nach Falke ) ist mit seinen hangenden Sandstein von Osterwald über Süntel und Deister , Rehburger Berge, Schaumburger Mulde, Bückeberg bis zu den Bergbaurevieren von Minden und Meißen überall als gleiches Flöz erkennbar.
Heft 14-Arbeitskreis Bergbau der Volkshochschule Schaumburg
Pyritbergwerk " Wilhelmine " am Georgsplatz.
Am Georgsplatz wurde 1829 im Auftrag von Johann Egestorff ein weiterer Stollen aufgefahren.
Beim Stollenvortrieb fand man neben der vermuteten Steinkohle auch einen harten abbauwürdigen Schwefelkies führenden Kalkstein. Es handelt sich um sog. " Blaustein" aus der Valanginum-Stufe der Unterkreide.
Die Schürfrechte für den Abbau lagen bei der Zündhütchenfabrik in der Wennigser-Mark. Später wurde der abgebaute Schwefelkies in den 1861 gegründeten Egestorffschen Zündhütchenfabrik zwischen Empelde und Bornum verarbeitet. Der Abbau bestand bis 1895.
aus: " Der Deister -Natur -Mensch-Geschichte 2017 und
NLA HA Hann 190 Hannover " Schwefelkiesbergwerk Wilhelmine bei Wennigsen 1874 - 1887 "
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Bergleute die 1899 / 1900 bei den Steinkohlenbergwerk am Bröhn, Feldberg und Hülsebrink beschäftigt waren:
Wennigsen :
August Wilke, Friedrich Fitjer, Heinrich Wissel, August Bullerdiek, Friedrich Lango,.F Jacke, August Neddermeyer, Christian Schröder, Heinrich Rogge, Ernst Röhrbein, Ernst Fricke, Heinrich Wedemeyer, Heinrich Struss, Heinrich Punkenburg, August Nagel, Conrad Kuhls, Ernst Fürll, Friedrich Peter, Ernst Bremer.
Argestorf:
Friedrich Hyerhorst, Heinrich Becker, Wilhelm Schlecht, August Lauenstein -mit 45 Jahren Berginvalide ; Friedrich Lauenstein- mit 46 Jahre Berginvalide,
Heinrich Lauenstein-Berginvalide, Ferdinand Haller, Wilhelm Clodius, Hugo Müller, Heinrich Haneccius
Degersen:
Friedrich Sudmacher
Bredenbeck:
Ernst Garbe, Friedrich Seiler


Am 27 Dezember 1913 erscheint der Berginvalide August Lauenstein aus Argestorf beim Kloster Wennigsen,47 Jahre alt, beim Bergrevier Hannover Süd und erklärt dem Bergrevierbeamten : "Ich habe von 1883 bis 1900 auf den Egestorfschen Bergwerk bei Wennigsen gearbeitet. Von 1900 an auf den Königlichen Steinkohlenbergwerk am Deister
Brief an den Bergrath Württenberger
Der Betrieb der Egestorfschen Gruben am Bröhn ,Feldberg und Hülsebrink wir wegen Absatzmangel im Januar 1884 vorläufig eingestellt.
Quelle : Niedersächsisches Bergarchiv
Hann 84 f Deister
Hülsebrink- Brems Stollen

Tiefer Georgstollen aufgefahren von 1852 bis 1866, Länge 1900 m diente zur Entwässerung der Egestorffschen Bergwerke
Bilder: 1975
Das erste Steinkohlenbergwerk in Barsinghausen
1831 gründeten Johann und Georg Egestorff mit den Hofsteinhauermeister August Blume eine private Gesellschaft, die mit der Klosterkammer einen Pachtvertrag über die Anlage eines Bergwerkes im Fuchsbachtal oberhalb von Barsinghausen abgeschlossen hat. Dieses " Klösterliche Bergwerk zu Barsinghausen " war das erste Bergwerk in Barsinghausen. Die Förderung der Kohle stieg stetig an ,bereits 1835 waren hier 29 Bergleute beschäftigt.
( aus - Die Deister Kohlepfade)
Die Aufsicht hatte der Steiger Hesse aus Wennigsen, der auch für die Gruben am Bröhn, Feldberg und Hülsebrink verantwortlich war .

1835 hat Georg Egestorff die Eisen-Giessery und Maschinenfabrik in Linden gegründet.
1871 wurde die Fabrik in " HANOMAG" umbenannt.

Die erste von Egestorff 1846 ausgelieferte Lokomotive " Ernst August" wurde zur Eröffnung der Eisenbahnstrecke Hannover -Hildesheim eingesetzt.

Schnellzuglok der Baureihe C3T
Egestorff lieferte für Deutschland bahnbrechende Lokomotiven, die schon in den fünfziger Jahren Höchstgeschwindigkeiten von
120 km/h führen
Befahrungsbericht: "Versuchsbau nach Steinkohle am Forstort Kirchensiek bei Koppengrave"
Gesehen zu Dörshelf bei Karlshütte am 18. Oktober 1854; gegenwärtig: Der Herr Geheime Kammerrat
von Eschwege, der Herr Bergmeister Topp, und ich, der Kammersekretär Wiebrecht
In Gemäßheit des mündlichen Auftrages, welcher der Herr Geheime Kammerrat von Eschwege in der
Sitzung herzog!. Kammer, Direktion der Bergwerke zu Braunschweig, erhielt, hat derselbe heute mit
dem Herrn Bergmeister Topp und dem Unterzeichneten den an Egestorff zu Hannover überlassenen
Versuchsbau nach Steinkohle am Forstort Kirchensiek bei Koppengrave befahren.
Die Grube liegt etwa '/4 Stunde südlich von Koppengrave und etwa 800 Schritte südlich dem Punkte,
wo der Versuch nach Steinkohlen schon früher zuerst gemacht und Kohlen getroffen, gefördert und
verkauft sind. Der Schacht war 34,2m tief. Mit 28,5 m Teufe ist das erste Kohleflöz erreicht, bei 34,2 m
das zweite, das sich aber als unbauwürdig erwiesen hat. Das erste Kohlenflöz ist angeblich 43 cm
mächtig, wovon jedoch nach Abzug der unreinen Zwischenlagen nur 36 cm gute Kohlen verbleiben.
Die Grube war mit 4 Mann in Unterbrechungen belegt worden, seit 4 Wochen aber ganz eingestellt,
weil wegen der sehr schlechten Wege eine Abfuhr von derselben in jetziger Jahreszeit nicht mehr
stattfinden kann, weshalb dann auch Egestorff von Koppengrave bis zur Grube eine Chaussee anlegen
lässt, welche zu 1000 Thaler veranschlagt und bereits 2000 Thaler gekostet haben soll. Neben dem
Kohlenschacht war ein Schuppen in Arbeit zur Unterbringung der geförderten Kohlen und daneben
noch ein anderes Häuschen mit Abteilungen zur Schmiede, zur Gezähekammer und zum Kontoir.
gez. Wiebrecht.
11.3.1862 Egestorff: "Seit Anfang des Jahres 1862 ist die Kohlenförderung völlig eingestellt, seitdem nur
Versuche, z.B. ein 80m tiefer Schacht (der obere Egestorffsche) mitten im Kohlenfeld. Sie haben so
überaus ungünstige Resultate geliefert, dass die Arbeiten seit März 1861 gänzlich ruhen, nachdem ich
die ganz unzweifelhafte Überzeugung habe gewinnen müssen, dass das fragliche Kohlenfeld als
solches nur für sich allein völlig unbauwürdig ist. Wohl erkenne ich nun eine Möglichkeit, das
Coppengraver Kohlenflöz in Verbindung mit einem anderen Industriezweige namentlich für die dortige
Gegend nutzbringend zu suchen, und hatte ich auch bereits alles zur Ausführung vorbereitet, jedoch
lastet die Ungunst der Zeiten zu schwer auf Handel und Industrie."
aus Bergbauchronik-Coppengrave
Weitere Bergbauaktivitäten von Georg Egestorff
In Coppengrave am Hils hat es auch erste Bergbauversuche bereits um 1571 gegeben, den Schmieden sollte der Holzverbrauch verboten werden, statt dessen sollten sie Steinkohle verwenden. Der Betrieb ist aber bereits 1589 mit dem Tode Herzogs Julius eingestellt worden.
Weitere Bergwerksversuche gab es erst ab 1744 am Knippsiek, der Bergrat August Lüning betrieb das Werk mit einen Steiger, vier Hauer und zwei Jungen.
1752 war das ganze Vermögen aufgezehrt. Schwer krank schrieb Lüning an den Herzog , das Bergwerk sei solide, es könnte dort zudem eine Glashütte gegründet werden, doch sei er finanziell am Ende und flehte den Herzog an, ihm 2/3 der Baukosten zu erstatten.
1769 will der Kaufmann Cramer aus Wispenstein das Lüningsche Bergwerk übernehmen. Der Bergrat Kaulitz ist nach wie vor überzeugt, dass "auf den Steinkohlen im Coppengraver Revier kein ergiebiges Bergwerk möglich sei ".
1852 bis 1853 wurde die Steinkohlenflöze zwische Coppengrave und Duingen mit 137 Bohrungen im Auftrag der Braunschweigischen Regierung untersucht.1854 wurde der Versuchsbau nach Steinkohlen am Forstort Kirchsiek bei Koppengrave Georg Egestorff überlassen. Georg Egestorff mußte von Koppengrave bis zur Grube eine Chaussee anlegen, welche 2000 Thaler gekostet haben soll. Neben den Kohleschacht war ein Schuppen zur Unterbringung der geförderten Kohle und ein anderes Häuschen mit Abteilung zur Schmiede, zur Gezähekammer und mit Kontor vorhanden.1862 hat Egestorff die Kohleförderung völlig eingestellt, da weiter Versuche das Kohlefeld weiter zu erschließen zu ungünstigen Resultaten geführt hat. Die Ungunst der Zeit lastet schwer auf Handel und Industrie. Von 1855 bis 1859 hat Egestorff 1357 Tonnen Kohle zu einen Verkaufswert von 2142 Thaler gefördert. Das gesamte Unterfangen war auch für Egestorff mit hohen Verlusten verbunden.
(aus Bergbauchronik-Coppengrave)

Saline Egestorffhall mit Gradierwerk auf Salzwiesen
Im Hintergrund der Lindener Berg mit der Windmühle und den 1825 von Georg Ludwig Friedrich Laves für Johann Egestorff erbauten Berggasthaus
Die „Hannoversche Maschinenbau-Aktiengesellschaft vormals Georg Egestorff" ist hervorgegangen aus einer der zahlreichen industriellen Gründungen des Unternehmers Georg Egestorff. Dieser legte im Jahre 1835, zu einer Zeit, als Hannover mit England, dem Ursprungslande des Maschinenbaues, noch in engsten Beziehungen stand, zu Linden bei Hannover eine Maschinenfabrik und Eisengiesserei an. Dieser Fabrik, die sich im ersten Jahrzehnt mit der Herstellung von Maschinen aller Art befasst hatte, wurde im Jahre 1846 eine Spezialabteilung für Lokomotivbau angegliedert. In richtiger Erkenntnis der Bedeutung, die der Grossbetrieb
für die Erfüllung dieser Bedingungen besitzt, kaufte der bekannte Eisenbahnunternehmer Streusberg im Jahre 1868,
als er für die ausgedehnten von ihm ins Leben gerufenen Eisenbahnlinien einen grossen dauernden Bedarf an Lokomotiven voraussah, die Egestorffsche Maschinenfabrik an und richtete sofort das ganze Werk für die Herstellung von Eisenbahnlokomotiven in grossem Masstabe auf der Basis intensivsten Grossbetriebes ein. Die Arbeiterzahl wuchs innerhalb dreier Jahre von 800 bis auf 2000 an; die Jahreskapazität im Lokomotivbau, 1868: 30 Stück, wurde auf 150—160 Stück jährlich gebracht, und eine weitere Vergrößerung des Betriebes war bereits begonnen, als die zu diesem Zweck gegründete Hannoversche Maschinenbau-Aktiengesellschaft am 1. April 1871 Besitzerin des Etablissements wurde. Noch im Laufe des Jahres 1871 wurde die Erweiterung der maschinellen Anlagen für eine Jahresleistung von etwa 250 Lokomotiven durchgeführt, und die Unmöglichkeit, die notwendigen Rohmaterialien, besonders Kohlen, in hinreichender Menge zu erhalten, bildete den einzigen Hinderungsgrund,dass diese Leistungsfähigkeit nicht völlig ausgenutzt werden konnte, da Aufträge in übergrosser Menge vorlagen.
Was im Besonderen den Kohlenbedarf betrifft, so dient die Kohle erstens zur Dampferzeugung für Kraft- (nebenbeiauch Heiz-) Zwecke, ferner als Heizmaterial in der Schmiede und Giesserei.
aus :
DIE HANNOVERSCHE MASCHINENBAU-AKTIENGESELLSCHAFT
1909, Dissertation von EDUARD GLASER AUS CHARLOTTENBURG
